Foto

INDEPENDENCE IN 21ST-CENTURY POPULAR MUSIC - Cases From Beyond Anglo-America

Shannon Garland, Pedro Belchior Nunes, Pedro Roxo (Hg.)

Wenn die wissenschaftliche Studie über musikalische Unabhängigkeit und der LEATHERFACE-Reisebericht „Days And Days“ auf dem Nachttisch liegen und darum betteln, zur Bettlektüre zu werden, dann gewinnen LEATHERFACE. Beim Lesen beider wird aber schnell klar: „Independence in 21st-Century Popular Music“ handelt exakt wie „Days And Days“ davon, wie unabhängige Musiker:innen und Labelmacher:innen Musik veröffentlichen und Haltung zeigen. Im Unterschied zu „Days And Days“ allerdings jenseits des euro-amerikanischen Kontexts. In Kuba zum Beispiel hat sich ohne stabiles Internet ein Abo-Netzwerk entwickelt, in dem wöchentlich prall mit Medien gefüllte USB-Sticks zirkulieren. Natürlich lässt sich das auch nutzen, um Castro-kritische Musik unters Volk zu bringen. Ein findiges galizisches Label inkludiert den Preis ins Coverartwork seiner Veröffentlichungen, um zu zeigen, wer auf dem Weg zum Fan noch an den Releases mitverdient. In Taiwan wird unabhängige Rockmusik staatlich so gefördert, dass Indie-Bands dort omnipräsent sind – und Labels meist damit beschäftigt, Förderanträge auszufüllen. Die weltweiten Beispiele lassen sich kombinieren, um Unabhängigkeit in der Musikwirtschaft greifbarer zu machen und modernes Indiewashing zu erkennen. Das ist jetzt, wo ein Major wie Universal Music Indie-Player wie PIAS (mit Domino, Partisan, Ipecac ...) aufkauft und sich die Universal-Tochter Virgin Music dank Übernahme weiterer Indie-Firmen als „global independent music division“ bezeichnet, ein gar nicht mal unwichtiges Learning. Klare Buchempfehlung!

Anzeige