
„Dieses Buch sollte nicht existieren“ – „Zoe Thorogood ist eine Ansammlung von Zellen, die man vage als menschliches Wesen bezeichnen könnte.“ Diese beiden Klappentextaussagen geben die Richtung des Buchs schon ein wenig vor. Nach ihrer dezent autobiografischen ersten Graphic Novel „The Impending Blindness of Billie Scott“ von 2020 (bislang noch nicht auf Deutsch erschienen) über eine junge, gerade durchstartende Künstlerin, die innerhalb von zwei Wochen ihr Augenlicht komplett verliert, legt sie in ihrem Zweitling noch mal eine ordentliche Schippe drauf. Während sie sich bei Billie Scott lediglich von ihrer eigenen 2017 diagnostizierten Netzhautablösung, die langfristig zur Erblindung führen kann, inspirieren ließ, ist „It’s Lonely At The Centre Of The Earth“ zu 100% Zoe Thorogood, sechs Monate ihres Lebens, aufgezeichnet je nach Gemütslage aus unterschiedlichen Perspektiven. Dabei wechselt sie auch Koloration und Zeichenstil je nach Bedarf: von Kawaii über Strichmännchen bis hin zu super detailgetreu ist alles dabei. „Ich bin eine Künstlerin, also darf ich öffentlich schreien, rumheulen und mir in die Hose machen, und ich erwarte, dafür Applaus zu bekommen“, frotzelt sie selbstironisch. Selbstzweifel, Suizidgedanken und Selbstverletzungen ziehen sich wie ein roter Faden durch diesen Band. Wer sich, wie ich, beim Lesen zeitweise unangenehm voyeuristisch vorkommt, sollte bedenken, dass Thorogood hier eine Botschaft unter die Leute bringen will: „Wenn ihr heute auch nur eine Person fragt, ob sie okay ist, ist eure Auswirkung auf diese Welt bereits phänomenal.“ Allein das ist die Lektüre wert.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #179 April/Mai 2025 und Anke Kalau