
Bücher über Punk, Hardcore und Metal füllen einige Regalmeter. Bibeln über die dunkle Seite der Macht gibt es bisher wenige. Deshalb hat sich der britische Journalist und Musiker John Robb hingesetzt und eine Art „Please Kill Me“ für Goth-Musik geschrieben. Ein über 600 Seiten dickes Standardwerk randvoll mit Detailinfos, Hintergründen, Zusammenhängen und Meinungen. Von den Anfängen in den frühen 1980ern bis in die Gegenwart. Das hat schon fast den Charakter einer Doktorarbeit, lässt sich aber prima lesen. „Das Gesamtbild ist bei Goth wichtiger als bei jedem anderen Musikgenre“, sagt John Robb. „Er ist zu verstehen als moderne Reflexion einer alten Idee, die Faszination für die Schattenseite und das Dunkle, aber mit den Techniken der Gegenwart.“ Robb spürt den Wurzeln der dunklen Künste in Malerei, Literatur und Musik nach. Vom Untergang Roms, über den britischen Romantik-Dichter Lord Byron, europäische Volksmärchen und gotische Architektur bis zu TikTok. Manches erscheint abwegig, ergibt erst in der Summe Sinn. Er untersucht, wie die Goth-Kultur sich von Großbritannien aus in die gesamte Welt verbreitet hat. Und natürlich erzählt er auch die Geschichten der wichtigsten Vertreter und Vertreterinnen des Genres wie SISTERS OF MERCY, ALIEN SEX FIEND, SIOUXSIE & THE BANSHEES, BAUHAUS, THE CURE, FIELDS OF THE NEPHILIM oder LAIBACH. Ursprünglich wurde das englische Buch vor zwei Jahren unter dem Titel „The Art Of Darkness – The History Of Goth“ veröffentlicht, Ox-Herausgeber Joachim Hiller hat den Schinken ins Deutsche übersetzt. Kommt mit ausführlichen Quellenangaben und Namensregister. Ein Muss für den nächsten Kindergeburtstag auf dem Zentralfriedhof.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #180 Juni/Juli 2025 und Wolfram Hanke