Sergio Corbucci wird ja vor allem mit „Django“ aus dem Jahr 1966 in Verbindung gebracht, der zu den großen Klassikern des Italowesterns zählt. Insgesamt 13 Filme drehte er in diesem Bereich. Zwei Jahre nach „Django“ gelang ihm mit „Leichen pflastern seinen Weg“ („Il grande silenzio“, also „Das große Schweigen“ oder „Die große Stille“) ein weiterer Italowestern-Klassiker, mit Klaus Kinski als zynischer Kopfgeldjäger Loco und Jean-Louis Trintignant als stummer Antiheld Silence/Silenzio (ausgestattet mit einer Mauser C96, eine der ersten halbautomatischen Pistolen) in den Hauptrollen sowie gewohnt toller Musik von Ennio Morricone. Im Gegensatz zu einem Ästheten wie Sergio Leone war Corbuccis Inszenierungsstil deutlich kruder und man merkt seinen Filmen auch heute deutlich an, dass sie ziemlich billig runtergekurbelt wurden. Dass „Leichen pflastern seinen Weg“ trotz der nicht sonderlich originellen Rachegeschichte zu einem Klassiker wurde, hat sicherlich damit zu tun, dass er die Grausamkeiten und den Nihilismus der Mitbewerber noch auf die Spitze trieb und das Böse über das vermeintlich Gute triumphieren ließ, inklusive Kapitalismuskritik, denn viele Italowestern waren damals vom linken Zeitgeist beseelt. Die eisige Schneelandschaft trägt noch zur deprimierenden Kulisse des Films bei. „Leichen pflastern seinen Weg“ wurde schon einige Male in ungeschnittener und restaurierter Form auf DVD und Blu-ray veröffentlicht, zuletzt 2017. Aktuell erschien Corbuccis Film auch als 4K UHD-Blu-ray, ein Medium, bei dem man immer vorsichtig sein muss, ob die Qualität den höheren Preis rechtfertigt. Bei „Leichen pflastern seinen Weg“ lag auf jeden Fall ein deutlich besseres Bildmaster vor, auch das bisherige Bonusmaterial (darunter auch das völlig unpassende und unplausible alternative Happy End) wurde leicht erweitert.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #180 Juni/Juli 2025 und Thomas Kerpen