LIEBE

Charles Bukowski (Abel Debritto Hg.)

Bukowski ist tot, jedes Fitzelchen veröffentlicht – wie will man dem katzenliebenden größten amerikanischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts jetzt noch weitere Bücher rauskitzeln? Es geht, wie man an „Katzen“ von 2018 sieht, für das Abel Debritto das Werk Bukowskis nach Gedichten und Geschichten über Katzen durchsuchte und daraus eine Art Katzen- „Best of“ zusammenstellte.

Und für „Liebe“ nun wurden die Gedichte Bukowskis (so ungefähr die einzigen Gedichte, die ich ertrage) nach diesem Stichwort durchsucht. Ich bin erneut beeindruckt, wie treffsicher sich der alte Suffkopp Bukowski einst durch den Dschungel des menschlichen Miteinanders schlug, wie direkt seine Sprache zwar war und ist, aber auch, wie empathisch.

Der Mann hatte ein großes Herz, er war wild und derb, aber in seinen Gedichten ist kein Zynismus, sondern ... auch viel Liebe. Jan Schönherr, Jahrgang 1979 und damit gerade mal 15, als der Meister 1994 starb, hat Bukowski wunderbar (neu) übersetzt, sehr treffsicher, so dass man ausnahmsweise nicht das Bedürfnis verspürt, zum englischen Original zu greifen.

Wer immer sich heute berufen fühlen sollte, mit seiner Poesie in die Öffentlichkeit zu treten, ist aufgerufen sich zu fragen, ob seine Gedichte die des alten Hank übertreffen können. Ich behaupte, das ist kaum möglich, gerade das Gestotter vieler punkaffiner Schreiber ist banal und erbärmlich.

Wenn Bukowski hingegen über seine Tochter schreibt, über einen toten Jockey, über wilden Sex, darüber, sich gegenseitig die Zunge ins Arschloch zu stecken, dann ist da soviel Intensität, dass diese Texte auch Jahrzehnte überdauern können.

Was kommt als Nächstes? „Saufen“ – Geschichten vom und übers Trinken? Wäre angemessen.