
Man soll ein Buch ja bekanntlich nie nach seinem Einband beurteilen, aber beim Album „Lights“ des norwegischen Musikers Julius Lind hätte ich keinen Pfifferling darauf gegeben, dass das Album was taugt. Auf dem Cover steht ein bärtiger, irgendwie langweilig aussehender Typ im Wald am Rande eines Baches und starrt ins Nichts. Herr Lund ist dann auch noch im Innenteil auf einem Vintage-Sofa sitzend abgebildet, neben ihm seine Gitarre. Nach norwegischem Black Metal sieht das trotz Wald nun wirklich nicht aus, eher nach langweiligem Singer/Songwriter-Kram. Tatsächlich kann „Lights“ wirklich was und Herr Lund, unterstützt von Bassist und Schlagzeuger, entpuppt sich als angenehm psychedelischer Soft-Rocker, dessen in pinke Wattebäuschen eingepackte, hypnotisch-repetitive Songs mich an Bands wie WOODEN SHJIPS und MOON DUO (beide mit Erik „Ripley“ Johnson) erinnern. Aber auch die Paisley Underground-Vertreter RAIN PARADE aus den frühen 1980er Jahren, SPACEMEN 3 und deren Nachfolger SPIRITUALIZED, ebenso wie die poppigeren Momente von THE JESUS AND MARY CHAIN sind hier gut rauszuhören. Wirkliches Neuland betritt Lund damit nicht, aber sein gefühlvoller Neo-Psychedelia-Shoegazing-Spacerock besitzt aufgrund seiner handwerklichen Qualität dennoch eine ziemlich hohe Halbwertzeit.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #177 Dezember 2024/Januar 2025 2024 und Thomas Kerpen