Foto

LUCIEN - Gesamtausgabe Band 2+3

Frank Margerin

Sollte ein Comic-Held altern dürfen? Frank Margerin gehört zu den wenigen Zeichnern, die diese Frage bejahen. Lucien altert also. Allerdings nicht unbedingt in Würde. Aber hat er die überhaupt jemals besessen? Er war eigentlich auch in früheren Erscheinungsjahren schon ein recht seltsamer Vogel, der sich auf dem Weg des geringsten Widerstands durch das Leben treiben ließ und dabei nie so genau wusste, was oder wohin er will. Dass bei allem Pech und Ungeschick auch mal etwas zufällig ganz gut läuft, bleibt auch unverändert. Der SR Verlag trägt hier insgesamt sieben Bände aus den Jahren 1989 bis 2000 (ursprünglich Einzelbände 5-8) und 2008 bis 2015 (Einzelbände 9-11) zusammen, selbstredend in großformatiger, hochwertiger Hochglanz-Hardcover-Aufmachung mit Dossier, Skizzen, Originalcovern und allem, was sonst noch so dazu gehört. Während der zweite „Lucien“-Sammelband noch näher dran ist am Startpunkt der Rocker-Vorstadtgang-Erzählungen, wird danach ein ordentlicher Satz gemacht. Lucien ist Ü50, Tolle, Jeans und Lederjacke sind geblieben, er hat aber graue Haare, Bierbauch, Frau und heranwachsende Kinder. Damit wirkt Sammelband 3 eher wie ein Klassentreffen, auf dem frühere Weggefährten alle nach und nach in teilweise abstrusen Jobs und Lebenslagen auftauchen. Und es wird nach wie vor reichlich Rock’n’Roll von Ricky Banlieue gehört. Musik gehört dazu, schließlich hatte Margerin in Frankreich ja 1987 mit seiner Comicschaffenden-Band DENNIS’ TWIST tatsächlich mal mit dem Pseudochanson „Tu dis que tu l’m“ einen-Top 10-Hit. Einziger Wermutstropfen: Die manchmal doch zu wörtliche Übersetzung aus dem Französischen trübt etwas den an sich recht kurzweiligen Lesespaß.

Anzeige