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MARIA ISKARIOT

Wreldwaan

Seit ein paar Monaten schon hatte ich die Belgier:innen MARIA ISKARIOT auf meiner Watchlist, aber es passte nie – bis im August in Oberhausen. Zwanzig Leute nur standen um die kleine Bühne herum, darunter auch der schwarze Mann, der sich lange schon als Trüffelschwein erwiesen hat: Wenn der da ist, wird das gut. Seit Jahren ist das so, zuletzt bei THE JACKSON POLLOCK. Und auch jetzt stand er mit wissendem Grinsen da und wusste, dass es gut werden wird. Und es wurde der Hammer! Nur etwas mehr als eine halbe Stunde gab sich die Band aus dem flämischen Landesteil, um ihr Pulver zu verschießen – mehr gibt das Repertoir des Albums bislang nicht her, mehr braucht es aber auch nicht, um die Menschen vor der Bühne genauso atemlos dastehen zu lassen wie die drei Marias vorne auf der Bühne und den Drummer auf seinem Hocker hinten. Die Kommunikation? Halb auf Englisch (bei den Ansagen), halb auf Niederländisch (bei den Texten) – hier im tiefen Westen des Landes gibt es eine gewisse Affinität zur Gesangssprache des Vierers. Es ist sicher etwas müßig, über die Gesangssprache einer Band zu sinnieren, aber es hat durchaus einen gewissen Reiz, dass man hier etwas verwirrt wird, was Frontfrau und Gitarristin Helena da auf dem Album vom „Weltwahn“ mit heiserer Stimme singt, brüllt, ausspuckt, tobt: Ist es Englisch oder Deutsch? Eben nicht, es ist die flämische Variante des Niederländischen – der Wikipedia-Eintrag dazu ist endlos ... Helena Cazaerck (voc, gt), Loeke Vanhoutteghem (gt), Amanda Barbosa (bs) und Sybe Versluys (dr) kommen aus Gent, 2021 wurde das Projekt von Helena ins Leben gerufen, 2022 beschlossen Helena und Loeke, die im normalen Leben Journalistin ist, gemeinsame Sache zu machen. Im April 2024 kam die Debüt-EP „EN/EN“, in Belgien und den Niederlanden stellten sich erste Erfolge ein, und Frühjahr und Sommer 2025 über machten sich MARIA ISKARIOT nun daran, überall in Deutschland ihren Virus zu verbreiten im Vorfeld des Album-Debüts: Mission erfüllt! Mit „ Wreldwaan“, dem Debüt von DIE SPITZ und dem neuen Album von UPCHUCK sind aktuell drei Alben von Bands mit starker weiblicher Präsenz erschienen, die man durchaus als Statement gehen die immer noch vorhandene männliche Überpräsenz in der im weitesten Sinne Rockmusik ansehen kann. So „punkig“ MARIA ISKARIOT live auch wirken, erweist sich „Wreldwaan“ doch als differenzierter: kein Drei-Akkord-Gekloppe, sondern mal von Distortions geprägte, aber auch durchaus melodiöse, eingängige Songs („Rozemarijn“, „Zes Bekers“), sodass über die Distanz von 12 Stücken eine ordentliche Bandbreite abgedeckt wird. Mir würden durchaus L7, HOLE, BAMBIX & Co. in den Sinn kommen, die Band nennt u.a. BLOOD RED SHOES, SAVAGES, WARPAINT, PJ Harvey, Patti Smith, PIXIES und PEARL JAM. Was für eine Band, was für ein Album!

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