
Mit dem 13. „Gannibal“-Band ist die Geschichte um das abgelegene japanische Dorf Kuge und den dorthin versetzen Dorfpolizisten Agawa und seine Familie abgeschlossen. Spannend folgt man bis dahin den Gegebenheiten um die Großfamilie der Gotos, die das Dorf mit Terror und Angst beherrscht, und dem Gerücht, dass man dort Menschen fressen würde. Dabei erfährt man in diesen späteren Bänden auch die Ursprungsgeschichte rund um die Rituale und das Dasein in Kuge und warum dort augenscheinlich seit Jahrzehnten Kannibalismus praktiziert wird, wobei auch eine übernatürliche Komponente zur besonderen Atmosphäre beiträgt. „Gannibal“ ist erzählerisch dicht umgesetzt und verliert nie den Fokus der Geschichte aus den Augen. Immer wieder gibt es Wendungen und man weiß nie, wer jetzt auf welcher Seite steht und Verbindungen im Dorf und zu den Gotos hat. Und auch Agawa trägt schwer an seiner Vergangenheit, denn natürlich ist er nicht ohne Grund in das Bergdorf versetzt worden. Das Ganze ist detailreich gezeichnet, was es hin und wieder aber etwas erschwert, genau zu erkennen, was eigentlich passiert. Aber diese Momente sind selten und tragen sogar zur allgemein beklemmenden Stimmung bei. Die Protagonisten sind allesamt vielschichtig und ihre Motive gut nachvollziehbar. Horror- und Splatterszenen gibt es auch zur Genüge, aber nie nur um des Schockmoments willen. Natürlich ist das Setting eines Hinterwäldlerdorfs mit eigenen Regeln nichts Neues im Horror-Bereich. Dennoch wirkt die Geschichte frisch und ist bis zum Ende spannend erzählt, und letztlich bleibt unklar, ob man nun die ganze Wahrheit kennt. Es lohnt sich, über alle 13 Bände an „Gannibal“ dranzubleiben und dem Geheimnis um Kuge auf den Grund zu gehen.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #181 August/September 2025 und Dennis Müller