
Trump kam nicht aus dem Nichts. Mirjam Kid zeichnet durch Quellenarbeit und eine Analyse der Sendung „War Room“ von Steve Bannon nach, inwiefern dessen ideologisches Fundament der MAGA-Bewegung, ob aus Überzeugung oder machtpolitischem Kalkül sei dahingestellt, zurück geht bis in die Gründerzeit der USA und wie es im neuen Gewand des Internetzeitalters upgedatet wird. MAGA als insbesondere weiße, christlich-nationalistische Bewegung ist geprägt von der Angst vor einem demografischen Bedeutungsverlust und dem Glauben an das eigene Auserwähltsein. Rassistische Überhöhung plus Religion plus Gebietsanspruch. Der Gründungsmythos einer Nation wie aus dem Lehrbuch. Zusammen mit neueren Studien zum Einfluss Peter Thiels auf Trump ergibt sich ein größeres Bild, wes Geistes Kind MAGA ist. Der Schwachpunkt ist leider der gleiche wie bei vielen von Journalist:innen verfassten Sachbüchern: Der Wunsch nach einer runden Story lässt wenig Platz für analytische Zwischentöne. Beispiel: Bannons Strategie, in den USA Ängste vor einer fundamentalistisch muslimischen Einflussnahme und der Verfolgung von Christ:innen zu schüren, bestätigt sehr wohl die Agenda der weltweit agierenden Muslim Brotherhood und die aktuellen Zahlen von Human Rights Watch zur weltweiten Verfolgung von Christ:innen. Aber geht es dem „guten Christen“ Bannon hier wirklich um afrikanische und arabische Glaubensgeschwister? Diese Taktik, die Bedrohungslagen anderer für sich zu vereinnahmen, ist gerade das Perfide am Handeln von Bannon und Trump. Stellenweise hängt Kid daher zu starr an den verkürzenden Analyseschablonen des Postkolonialismus und der Identity Politics.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #182 Oktober/November 2025 und Daniel Schubert