
Über den lahmen DEPECHE MODE-Rip-off der 1983 in Bietigheim-Bissingen (Baden-Württemberg) gegründeten deutschen Synthpop-Band CAMOUFLAGE kann ich mich auch heute noch wunderbar aufregen, speziell ihren nervigen Hit „The great commandment“ von 1987, der einem damals penetrant die Gehörgänge verkleisterte, „by far the best song DEPECHE MODE never made“, wie manche Leute behaupteten, ein wirklich guter Witz. Inzwischen sind die Frühwerke der Band via Tapete wieder erhältlich, das wäre aber nicht unbedingt nötig gewesen. Ebenfalls bei Bureau B/Tapete erschien eine interessante Sammlung von rein instrumentalen Demos aus den Jahren 1984 bis 1986 von CAMOUFLAGE-Gründungsmitglied Heiko Maile, die deutlich experimenteller und düsterer sind als der Synthiepop seiner Hauptband und eher auf sein späteres Schaffen als Komponist für Werbung und Filme verweisen, darunter auch einige „Tatort“-Folgen. In diese Richtung (also eher Klaus Schulze als DEPECHE MODE) geht auch Mailes neues Album „Neostalgia“ (zusammen mit dem ebenfalls im Bereich Filmmusik aktiven Julian Demarre), auf dem es auch Gesangspuren gibt, das aber vor allem von sphärischen wie atmosphärischen Synthie-Sounds mit analogem 1970er-Jahre-Feeling geprägt ist (TANGERINE DREAM, Jean-Michel Jarre und John Carpenter sind nicht weit), die auch als Soundtrack einsetzbar wären. Das gefällt mir deutlich besser als der platte CAMOUFLAGE-Pop.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #176 Oktober/November 2024 und Thomas Kerpen