
NEU ROT aus Leipzig waren sozusagen eine Ausnahmeerscheinung in der ostdeutschen Punk-Szene und stachen somit nicht nur unter den Leipziger Bands heraus. Dem freischaffendem Schriftsteller und als Galerist tätigem Henryk Gericke ist es zu verdanken, dass wir und die Nachwelt ultra diesen limitierten, oder zuvor nie veröffentlichten Klangexkursionen und Punk-Attacken lauschen können, die hinter dem Eisernen Vorhang entstanden sind „Halt an“ stammt aus der Zeit nach dem tragischen Tod des ersten NEU ROT-Bassisten Michael Pfaff und verarbeitet auch die Trauer über diesen Verlust. Die Band entfernte sich ab Mitte der 1980er Jahre immer mehr von ihren Punkwurzeln, um fast schon eine Art von Prä-Post-Rock-Fragmente miteinander zu einem durchdachtem und alternativem Stilmix zu verbinden. Alleine schon Anke Mehlhorns Spiel auf der Violine und Nutzung von Tasteninstrumenten waren beste Voraussetzungen, um hier keinen „Rumpelpunk“ mit eher stumpfen Texten entstehen zu lassen. Die Musiker:innen probierten unendlich viele Dinge aus, um sich selbst der Stagnation zu entziehen. Die Kulturwächter der damaligen DDR empfanden ihren Bandnamen als eine unangenehme Assoziation zur vorherrschenden Ideologie und obwohl die als legal galt, ihre Texte sprachen eine andere Sprache. Hörer:innen, die etwas mit dem EXPANDER DES FORTSCHRITTS und artverwandten Kapellen dieser Epoche anfangen können, sollten ein Ohr riskieren. Liebevoll restauriert von Herrn Gericke und als Tape oder wahlweise Vinyl von Phillip Strobel auf Tapetopia und Aufnahme + Wiedergabe veröffentlicht.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #180 Juni/Juli 2025 und Nico Pfüller
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #175 August/September 2024 und Nico Pfüller