
Zugegeben, der Bandname wirkt so, als habe man sich von einer KI Vorschläge unterbreiten lassen mit einem Prompt in der Art wie „Schlage mir Bandnamen aus drei englischen Worten vor für ein Projekt, das klassischen britischen Heavy Metal mit kalifornischem Deathrock aus den 1980ern verbindet.“ Zugegeben 2.0: 2017, als sich NEW SKELETAL FACES in Los Angeles zusammenfanden, gab es die KI-Modelle für solche Prompts noch gar nicht ... Auf dem Foto im Booklet sehen Errol Fritz (voic, gt), KRO (bs) und Don Void (dr) zwar aus, als seien sie auf dem Weg zu einem MÖTLEY CRÜE-Tribute-Abend fotografiert worden, aber ihre Umsetzung der Fusion von Metal und Goth ist auf ihrem zweiten Album (das selbstveröffentlichte Debüt „Celestial Disease“ kam 2019) wirklich gut gelungen. Im Detail zwar nicht so versiert und komplex wie aktuell bei SÓLSTAFIR, aber ingesamt doch gelungen unter Beachtung der relevanten Genre-Trademarks. Das Drumming ist wuchtig und wummernd (wenn auch bisweilen eine Spur zu metallisch), der Bass blubbert wie einst bei NEW MODEL ARMY, die Gitarre flirrt fiebrig und die Vocals sind hallig und verzweifelt – keine Spur von metallischem Keifen. „Until The Night“ ist kein Album für Genre-Puristen beider Lager, aber wer mit jeweils einem Fuß da und dort steht und kleinkarierte Grenzziehung musikalischer Art sowieso ablehnt, findet hiermit ein reizvolles Neo-Goth-Album. Und besser als das, was einem so manche alten Helden wie CHRISTIAN DEATH heute so aufzutischen versuchen, ist das allemal.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #178 Februar/März 2025 und Joachim Hiller