
„V“, das letzte, etwas orientierungslose Album der Band aus Southend, hat tatsächlich schon acht Jahre auf dem Buckel. Nun liegt Album Nummer sechs auf dem Plattenspieler und darauf ist die Band (nach den ausgesprochen unpopulären, unausgegorenen und auch wenig glaubwürdigen Techno/Industrial-artigen EPs aus der Zeit zwischen den Alben) mit teils ausgewechseltem Line-up wieder in gewohnter Form zu hören. „Night Life“ ist ein perfekt passender Titel für das Album der Nachtschattengewächse, das wie eine Art Lebenszyklus durcharrangiert ist. „Ariel“ als Opener hat eine umfassende Eigendynamik, wächst, gedeiht, verästelt sich und haucht am Ende einen melancholischen Schlussakkord aus. Neuzugang Amelia Kidd (key) ist nicht nur bei dieser Nummer eine große Bereicherung mit ihrem Gesangspassagen, doch „Silent sister“ ertrinkt beinahe in elektronischen Spielereien. Die straffe Four-on-the-floor-Kickdrum von „Lotus eaters“ greift auf die Sounds der Industrial-EPs zurück; als längster Song hat er auch eine Schlüsselrolle für das ganze Album, das aus unfassbar vielen Schichten zusammengebastelt ist. Diese Komplexität erschließt sich dabei natürlich erst nach einigen Durchläufen, dann aber wird ein unheimlicher Magnetismus wirksam. Ein hintergründiges, spannendes Album ist den HORRORS da gelungen, das weitaus mehr bietet, als hinter der „Neo-Goth“-Fassade gleich zu erkennen ist.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #180 Juni/Juli 2025 und Gereon Helmer
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #84 Juni/Juli 2009 und Joachim Hiller
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #72 Juni/Juli 2007 und Joachim Hiller
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #134 Oktober/November 2017 und Gereon Helmer
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #51 Juni/Juli/August 2003 und Joachim Hiller