Foto

NUNCHUKKA SUPERFLY

If You Go Down I Go Down Too

Bei dieser neuen LP von NUNCHUKKA SUPERFLY bin ich etwas zwiegespalten. Wie bekannt ist diese Band das zweite Standbein von Blacky (gt) und Ray (bs) von den HARD-ONS, die diese Mitte der 1990er Jahre gründeten, nachdem sich ihre Hauptband vorübergehend aufgelöst hatte. 2024 waren die verloren geglaubten ersten Studioaufnahmen von 1995 wiederentdeckt und ebenfalls auf Cheersquad Records erstmalig veröffentlicht worden. Diese spiegelten den musikalischen Zeitgeist wider und NUNCHUKKA SUPERFLY klangen damals mehr wie eine richtig gute Version von BLACK FLAG oder B’LAST, wobei hier zu erwähnen ist, dass sie noch mit einem Sänger entstanden. In den nachfolgenden Jahrzehnten wurden acht weitere komplette Alben veröffentlicht, wobei man das ungefähr so einstufen muss, dass Blackie und Ray bei NUNCHUKKA SUPERFLY all die Songs spielen konnten, die nicht dem erwartbaren musikalischen Kosmos der HARD-ONS entsprachen. Da ich beide persönlich kenne, weiß ich von ihrer Vorliebe für deutschen Krautrock der 1970er Jahre als auch für viele andere experimentelle und traditionelle rockige Bands. Diese Vorlieben konnten sie im Rahmen von NUNCHUKKA SUPERFLY hemmungslos ausleben. Allerdings geschah das immer ohne Gesang. Epochal war zuletzt 2021 die Doppel-LP „Aussie Exorcism“, die mich schwer begeisterte. Zu meiner Überraschung ist auf dem aktuellen Album bei jedem Song Gesang von Blackie enthalten. Seit 2021 hatte sich bei den HARD-ONS das Blatt gewendet, als Tim Rogers (Sänger von YOU AM I) neu zu den HARD-ONS stieß, was den Gesamtsound wieder deutlich poppiger und eingängiger gestaltete. Seither werden die HARD-ONS von allen Seiten über den Klee gelobt und mit offiziellen Ehrungen überhäuft, wie der Einzug in die Hall of Fame der australischen Rockmusik. Ich neide den HARD-ONS ihren Erfolg in keiner Weise, nur habe ich musikalisch wenig Spannendes für mich selbst auf den ihren letzten drei Alben entdecken können. Umso mehr freue ich mich über das neue NUNCHUKKA SUPERFLY-Album, auf dem mir sofort der Track „Bleary eyed“ mega positiv aufgefallen ist, ein absoluter Ohrwurm. Ich habe das Gefühl, das Blackie, der alleinige Songwriter auf dieser LP, sich hier mit Stücken vollends ausleben konnte, die es nicht auf die letzte HARD-ONS LP geschafft haben. Der Punkrock-Faktor ist hier gering, der Krautrock-Faktor dafür überirdisch hoch.

Anzeige