
2023 veröffentlichten die Brüder Paul und Phil Hartnoll mit „Optical Delusion“ ein neues Studioalbum, das auf dem schmalen Grat zwischen minimalistischer Electronica und kommerziellem Pop wandelte und mit „Dirty rat“ eine weitere großartige Zusammenarbeit mit den SLEAFORD MODS enthielt. Die Wurzeln von ORBITAL liegen aber im Underground-Techno und der aufkeimenden Rave-Bewegung Ende der 1980er Jahre, wo die Hartnoll-Brüder mit ihrer ersten Single „Chime“ zu Stars der Szene wurden, zwischen DJing und echter Band. Ähnlich wie THE CHEMICAL BROTHERS oder THE PRODIGY machten ORBITAL immer mehr als stumpfes Geballer und reicherten ihre technoiden Klänge schon früh mit KRAFTWERK-artigem Synthpop an. Das waren Kommerzialisierungstendenzen, die ihnen puristischere Fans durchaus übelnahmen, aber ihre Mischung aus Electronica und Pop auch so langlebig machte. Bezeichnend für den Ausnahmestatus von ORBITAL im Techno dürfte auch sein, dass sie einen ihren frühen Auftritte als „Band“ 1991 mit den Elektro/Industrial-Pionieren CABARET VOLTAIRE aus Sheffield bestritten, die bereits Ende der 1980er Acid House für sich entdeckten und als Wegbereiter der britischen Techno-Sszene gelten. 1991 veröffentlichten ORBITAL ihr erstes, das „green“ Album“, gefolgt 1993 vom „brown“ Album. Beide waren lange schwer aufzutreiben, im letzten Jahr erschien das Debüt in unterschiedlich ausgestatteten Editionen, ergänzt um Singles und andere Raritäten, jetzt gefolgt vom „Brown Album“ in ähnlicher Ausstattung. Die Originalalben sind musikalisch gut gealtert und mit ihrer hypnotischen kosmischen Electronica der perfekte Soundtrack für endlose Rauschzustände, funktionieren aber auch bestens ohne bunte Pillen.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #167 April/Mai 2023 und Thomas Kerpen
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #182 Oktober/November 2025 und Thomas Kerpen
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #181 August/September 2025 und Thomas Kerpen
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #102 Juni/Juli 2012 und Carsten Vollmer