
Dieses wunderbare Buch ist sozusagen der Vorgriff auf eine Ausstellung im Wien Museum, die aus Budgetgründen auf Juni 2027 verschoben wurde. Ein Grundelement des Buchs – und wohl auch der kommenden Ausstellung – sind die Fotos von Michael Snoj aka Mickey Kodak, der ein extrem involvierter Chronist der frühen Wiener Punk-Szene war und später, 1983, als Mickey Man auf einer grandiosen Split-LP mit EXTREM seine Liebe zu Reggae/Dancehall/Dub ausgelebt hat. Herausgeber und Ausstellungskurator Peter Stuiber ließ gewissenhaft und kundig seinen Blick weiter schweifen und webte in Wort und Bild ein wirklich dynamisches, dichtes und vielfältiges Zeitzeugnis des frühen Wiener Punk, das es in sich hat! Protagonist:innen von wichtigen, teils legendären, lange oder wieder aktiven oder auch kaum dokumentierten Bands wie A-GEN 53, CHUZPE, DÄMMERATTACKE, DEAD NITTELS, DIE BÖSLINGE, DIRT SHIT, EXTREM, PÖBEL, SPRAYS, USCHI PARANOIA UND DIE KRANKEN MÖNCHE oder X-BELIEBIG kommen hier zu Wort, ebenso wie journalistische und andere Zeitzeug:innen mit Nähe zur damaligen Szene. Damit machen sie alle eine andere Stadtgeschichte Wiens erfahrbar, die nicht zuletzt durch die weiteren Lebenswege der Interviewten „nach Punk“ davon erzählt, was alles in diesem Begriff drinsteckt und weiterwirkt. „Wien du tote Stadt“ reiht sich als neues Standardwerk ein in eine stetig wachsende Bibliothek – noch dieses Jahr erscheinen zwei Bücher zum 50-jährigen Jubiläum der Arena-Besetzung – der österreichischen Subkultur-Geschichtsschreibung, und ist nicht zuletzt als Buch auch einfach großartig gemacht, Look, Umfang, Papier ...
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #186 Juni/Juli 2026 und Rainer Krispel