
Ob PIXIES sich selbst als Untote bezeichnen, würde mich brennend interessieren. Schon 1997 heißt eine Kompilation der Band „Death To The Pixies“. Immerhin hat die Indie-Vorzeige-Band aus Boston ihre besten Jahre längst hinter sich. Mit den beiden Alben „Surfer Rosa“ (1988) und „Doolittle“ (1989) schreiben sie Musikgeschichte. Mit Songs wie „Where is my mind?“, „Here comes your man“ oder „Monkey gone to heaven“ stürmen sie die Charts. Doch mit den nächsten beiden Alben, „Bossanova“ (1990) und „Trompe Le Monde“ (1991), schlittert die Band in eine kreative Krise. 1993 erklärt Frank Black ohne Wissen der anderen das Ende der PIXIES. Er veröffentlicht Solo-Alben und tourt mit einer neuen Band. Zehn Jahre später geht es weiter mit PIXIES, zunächst sogar in Originalbesetzung. Noch mal zehn Jahre später verlässt Bassistin Kim Deal die Band und konzentriert sich auf die BREEDERS. Die Spätwerke „Head Carrier“ (2016), „Beneath the Eyrie“ (2019) und „Doggerel“ (2022) können Achtungserfolge einheimsen, für Begeisterung sorgen sie nicht. Trotzdem bleibt jedes neue Album von PIXIES ein popkulturelles Ereignis. Der Posten am Bass wechselt mit beständiger Regelmäßigkeit. Auf Kim Deal folgt Kim Shattuck (THE MUFFS), abgelöst von Paz Lenchantin (A PERFECT CIRCLE). Mit dem neuen Album gibt es wieder eine neue Bassistin. Die heißt Emma Richardson und war vorher bei BAND OF SKULLS. Die erste Britin bei PIXIES. „Wir brauchen das weibliche Element für unsere Live-Shows und unsere Backing-Vocals. Ein Mann würde das nicht hinbekommen“, sagt Gitarrist Joey Santiago. „The Night The Zombies Came“ ist das zehnte Studioalbum von PIXIES, zählt man die EP „Come On Pilgrim“ (1987) mit. Die Themen des Albums sind gewohnt merkwürdig. Im Song „Chicken“ versetzt man sich in die Lage eines geköpften Huhns. Es gibt aber auch Zombie-Attacken aufs Einkaufszentrum, Druidentum und Poesie aus dem Mittelalter. Joey Santiago darf nach zwei Songs auf „Doggerel“ wieder einen Text beisteuern. Geburtshelfer im Studio ist erneut der britische Star-Produzent Tom Dalgety (GHOST, ROYAL BLOOD), der schon die letzten drei Alben von PIXIES betreut hatte. Der Sound teilt „The Night The Zombies Came“ in zwei Hälften. Zum einen von Folk und Country angehauchte Balladen, zum anderen punkige Indie-Nummern. Lautstärke und Dissonanz sind fast vollständig aus der Musik von PIXIES verschwunden. Das Tempo lädt über weite Strecken zum Schunkeln ein. Bisweilen klingt das fast schon wie Nick Cave. Ist die Bostoner Indie-Institution altersmilde geworden? PIXIES sind zusammen mit ihren Fans in die Jahre gekommen. Zwanzig Jahre sind seit ihrer Reunion vergangen. Das Spätwerk der Bostoner ist kein Spektakel mehr, eher eine warme Decke für kalte Wintertage.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #146 Oktober/November 2019 und Thomas Kerpen
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