
Lieber Lars Weber, erwarte ja nicht von deinen Jungs, dass sie deinen Musikgeschmack übernehmen. Jede Generation hat ihre eigene Musik, und das ist auch gut so. Meine Mädchen machen auch ihr eigenes Ding. Mit der Musik, mit der ich in meiner Kindheit und Jugend sozialisiert wurde und die mich heute teilweise noch begleitet, können meine Kinder so gar nichts anfangen. Für mich hört sich ihre Musik fast immer gleich an, und umgekehrt. In dem Kinderbuch „Planet Krach“ begeben wir uns in die Tierwelt, die fabulös vermenschlicht wird. Drei junge Tiere hören eine Rockband. Das ist ihr Aha-Erlebnis, wie für viele von uns die SEX PISTOLS seinerzeit für Punk oder wer oder was auch immer. Sie gründen eine Band und finden in ihren Idolen Gönner des Bestrebens, die als Mentoren agieren und der Nachwuchsband binnen vier Wochen zu ihrem ersten Auftritt verhelfen. Neben der Euphorie, die in den Anfangszeiten jeder Band vorhanden sein sollte, werden Rock-Klischees angedeutet: der Mangel an Frauen wegen des Machogehabes im Rockzirkus, Neid und Missgunst in der vermeintlich eigenen Szene sowie lächerliche Machtkämpfe darum, wer als Headliner spielen darf; andererseits gibt es aber auch Solidarität und Zusammenhalt unter Kolleg:innen unterschiedlicher Genres. Am Ende wird natürlich alles gut. Als Erwachsener konnte ich einige Parallelen zum echten Rock’n’Roll-Zirkus entdecken, die der eigentlichen Zielgruppe vorenthalten bleiben und die sie vielleicht irgendwann, sollten sie tatsächlich ein Interesse an Rockmusik entwickeln, wiedererkennen werden. Meine Töchter fanden das Buch recht unterhaltsam. Das Interesse für Rockmusik wurde aber trotzdem nicht geweckt – schließlich hört sich da alles gleich an.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #184 Februar/März 2026 und Simon Brunner