
Hier geht es nicht um die Düsseldorfer Punkband, sondern um das Ost-Berliner Original, das man spätestens seit der „Auswärtsspiel“-Doku über das 1983er DDR-Konzert von DIE TOTEN HOSEN kennt – und auch wegen der heutigen Prominenz ihres damaligen Schlagzeugers Bernd Michael Lade. Die Bandgeschichte aus der Feder von Henryk Gericke auf dem Innersleeve spuckt ganz schön Galle, die Wut sitzt tief beim Kurator der Tapetopia-Reihe, auch dreieinhalb Jahrzehnte nach dem Untergang der DDR-Diktatur, die Punks seinerzeit mittels ihrer Stasi-Trupps verfolgte und „zersetzte“. Kein offizielles Konzert konnte die Band damals spielen, nur welche – Ironie der Geschichte – im Schutz der Kirche. Was Michael „Pankow“ Boehlke (voc) und Lade (dr) da etwa in „Deutschland“ oder „Sinnlos“ texteten, stieß ins gleiche Horn wie das, was in der „BRD“ SLIME oder ABWÄRTS auskotzten – nur dass letztere dafür kaum sanktionierten wurden. Ähnlich wie die PLANLOS-Zeitgenossen ROSA BETON machten sich PLANLOS X im Mai 2024 daran, in neuer Besetzung – von früher sind Pankow (voc) und Michael Kobs (gt) dabei – die sieben Songs von damals (A-Seite) für die B-Seite neu einzuspielen. Angesichts der schon sehr schraddeligen Qualität der Originale ist es ein guter Move, Texte und Musik heutigen Hörgewohnheiten entsprechend in die Gegenwart zu holen. Sehr intensiv, etwa „Schlange“, das Lied über die allgegenwärtigen Stazi-Schergen.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #180 Juni/Juli 2025 und Joachim Hiller