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POSTCARDS

Ripe

Ich bewundere POSTCARDS dafür, dass sie trotzdem und immer noch Musik machen, „Ripe“ ist bereits ihr fünftes Album. Julia Sabra (voc, gt), Pascal Semerdjian (dr) und Marwan Tohme (bs) leben in Beirut, und irgendein Horror geht da immer ab. Das vorherige Album, „After The Fire, Before The End“ von 2021, entstand nach der Explosion im Hafen, die die halbe Innenstadt in Schutt und Asche legte, und nun kommt „Ripe“, dessen wichtigste Botschaft wohl ist: Wir sind immer noch da, als Band, als Musiker:innen. Aufgenommen in einer Zeit, in der die israelische Armee den Libanon attackierte und beim Versuch, die vom Iran finanzierte Mörderbande Hisbollah zu vernichten, einmal mehr einen Scheiß auf zivile „Kollateralschäden“ gab, zog sich das Trio in die Berge im Osten von Beirut zurück, um im Haus der Familie von Pascal das Gegenteil von dem zu zelebrieren, was die Welt vor der Tür bot: Sie zauberten leise, gefühlvolle Shoegaze-Songs, leicht wie Schmetterlinge, weich und schwebend wie bunte Stoffbahnen im Sommerwind, zart fließende Strukturen. Kaum zu glauben, dass POSTCARDS nicht längst martialische Death/Thrash-Metal-Gemetzel fabrizieren, das wäre die musikalische Äquivalenz zu den Lebensbedingungen. Meine große Bewunderung gilt der Band für ihre Resilienz und den Willen, im Angesicht von Tod und Zerstörung so viel Schönes zu schaffen.

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