Tapete hat wirklich ein feines Händchen, wenn es um das Ausgraben von schrulligen Schätzen geht. PROLAPSE ist wieder mal so ein Fall, den ich überhaupt nicht auf dem Schirm hatte: Eine seit Anfang der 1990er aktive Band aus Leicester, die in der britischen Konzertszene dank ihrer chaotischen Live-Performances Kultstatus zu genießen scheint und jetzt nach 26 Jahren Pause ihr fünftes Album veröffentlicht. Drei Gitarren sind jedenfalls schon mal eine Ansage, LYNYRD SKYNYRD sollte hier aber niemand erwarten, eher eine sehr lärmig-psychedelische Garage-Britpunk-Variante irgendwo zwischen SLEAFORD MODS, THE FALL, MOGWAI und CRASS. Das klingt nicht nur absolut schräg, ist es auch: Unberechenbar wechselnder male/female Sprechgesang wird mal von hypnotischen Basslines zersägt, mal noisig-experimentell exekutiert, von sphärischen Synthieschwaden unterlegt, oldschool-punkig niedergeknüppelt oder post-punkig minimalistisch runtergerockt. Das ist wie eine anarchische Wundertüte, lediglich Titel wie „Cacophony #C“ oder „Ectoplasm united“ lassen erahnen, was kommen könnte. Eventuell. Sehr eigenwillig. Aber spannend.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #181 August/September 2025 und Anke Kalau