
Obacht, Verwirrungsgefahr: Kein Buch aus der Rubrik „Top-10-Listen“ oder so. „listen“ bedeutet im Englischen immer noch „zuhören“ ... Der Untertitel lautet: „Punks and friends and the records they listen to“. Die schon in den 1980ern in Dublin, Irland gegründete Konzertgruppe Hope Collective hat in ihrer neuesten Buchpublikation die (vielleicht) jeweils ewige Lieblingsplatte von 290 Menschen aus dem im weitesten Sinne Punkkontext abgefragt und von jedem einen Text dazu bekommen. Dass viele dieser oft anekdotenhaft gewürdigten Platten keine Punkplatten sind, sollte einen nicht stören oder vom Kauf abhalten: für viele von uns gab es eben auch eine prägende Musiksozialierung vor Punk. Mit dabei sind unter anderem Roddy Doyle (THE COMMITMENTS), Gaye Black (THE ADVERTS), Henry Rollins, Andy Cairns (THERAPY?), Mike Watt (MINUTEMEN), Tim Burgess (THE CHARLATANS), Justin Sullivan (NEW MODEL ARMY), Hugo Burnham (GANG OF FOUR), John Robb (MEMBRANES), Andy Moor (THE EX), Tav Falco, Franz Nicolay (THE HOLD STEADY), Roger Miller (MISSION OF BURMA), Dick Lucas (SUBHUMANS, CITIZEN FISH, CULTURE SHOCK), Dave Smalley, Attila The Stockbroker, Jerry A. Lang (POISON IDEA), Ivor Hanson (S.O.A., FAITH, EMBRACE), Jeff Pezatti (NAKED RAYGUN), Suzi Moon und Steve Ignorant (CRASS) – letzterer empfiehlt das „Court And Spark“-Album von Joni Mitchell aus dem Jahr 1974. Und Dunstan Bruce beschreibt euphorisch, wie er Patti Smith entdeckte. Ein Buch, das bestens dazu geeignet ist, häppchen- und seitenweise gelesen zu werden – viel Erkenntnisgewinn aus kurzen Texten. Der Erlös aus der Veröffentlichung dieses Buchs (das schon 2022 erschienen ist) wird gespendet für Geflüchtete aus der Ukraine.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #182 Oktober/November 2025 und Joachim Hiller