
Dieses Jahr werden VITAMIN X 30 Jahre alt, könnten also auch VITAMIN XXX heißen, wenn man das X als die römische Zahl 10 liest. Das X hat natürlich eine andere Bedeutung, steht für Straight Edge – eine Szene, die zu Zeiten der Gründung noch boomte. VITAMIN X stehen bis heute in ganz Europa, in der ganzen Welt (zuletzt in Japan) auf großen wie kleinen Bühnen, zünden ihr Hardcore-Punk-Feuerwerk. Auf Underestimated Records aus Chicago erschien 2000 das Debütalbum „See Thru Their Lies“. Auf dem Label von Felix Havoc kam dann 2001 die „People That Bleed“-7“, ebenfalls dort kam 2002 das Album „Down The Drain“ und 2004 „Bad Trip“. 2008 waren VITAMIN X in Steve Albinis Electric Audio-Studio in Chicago, das Album „Full Scale Assault“ (2008) folgte, in in den USA auf Tankcrimes, in Europa via Agipunk. In der gleichen Kombi kam 2012 „About To Crack“, 2018 erschien „Age Of Paranoia“ auf Southern Lord und nun haben sie ihr siebtes Album „Ride The Apocalypse“ auf dem finnischen Label Svart Records rausgebracht. Die Besetzung ist bei VITAMIN X seit Ewigkeiten recht stabil: Frontmann ist schon immer Marko Kovac (man kennt ihn auch von seinen „Nebenbands“ OPEN WOUNDS und BLIND AMBITION), Gitarrist und Songwriter Marc Emmerik ist ebenfalls von Anfang an dabei, ebenso Bassist Alex Koutsman. Nur Drummer Daniel „Danny“ Schneiker ist „erst“ seit 2011 dabei und trommelt übrigens auch bei DIE MIMMI’S. Man ahnt, dass diese Band für die Beteiligten ein Statement ist, eine Herzensangelegenheit, Familie. Schon mit dem Titelsong „Ride the apocalypse“ (passend dazu das Artwork von Andrei Bouzikov im Stil von 1980er-Thrash-Alben) setzen VITAMIN X ein Zeichen, dass sie Musik (und die Texte) immer noch als Reaktion auf gesellschaftliche Entwicklungen ansehen: „Waves of doom / Have arrived“. Die Texte der insgesamt 17 Songs (macht im Schnitt nur knapp mehr als anderthalb Minuten pro Stück) sind so knackig wie die Musik: „Sociapath“ ist auf den Punkt, ebenso „Brainfreeze“, „W.A.R.“ oder „Toxic reality“. Erschreckend zeitlos wirken die Themen, erfreulich zeitlos ist die Musik. Oder wie Marko es im Ox-Interview ausdrückt: „Bei Hardcore und Punk ging es immer schon um Bewusstsein und Widerstand. Wenn die Lage düsterer wird, bedeutet das nur, dass wir lauter werden müssen.“ Und laut sind VITAMIN X: Ihr Label bezeichnet sie als „Hardcore-Thrash-Punks“, was Marko nur begrenzt gelten lassen will: „Wir sind eine Hardcore-Punk-Band [...], aber für uns bezieht sich ‚Thrash‘ hauptsächlich auf das Thrash-Revival der frühen 2000er Jahre innerhalb des Hardcore.“ Akzeptiert, zutreffend – so weit, so bissig: „Ride The Apocalypse“ repräsentiert die Band so mitreißend, wie es ihre Shows sind. Kein Gramm Fett zu viel, nur Muskeln und Musik mit Sprinter-Qualitäten.
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