
Immer wieder absurd, wohin einen die Suche nach dem Hintergrund eines Bandnamens so treiben kann. Würde man den eins zu eins ins Deutsche übersetzen, hieße die Band aus dem belgischen Antwerpen KARTÄTSCHE. Die Militärinteressierten wissen natürlich, dass es sich hierbei um ein Artilleriegeschoss mit Schrotladung handelt. So eine Art Handgranate, die man bis in die Neuzeit den gegnerischen Soldaten um die Ohren ballerte. Und es gab die Mitrailleuse: „ein manuell bedientes Salvengeschütz [...] ursprünglich 1850 in Belgien entwickelt“ Da haben wir (vielleicht) die Verbindung. Nicht wirklich pazifistisch, aber Punkbands hatten ja immer schon eine Schwäche für eher grobe Namensgebung. 2018 veröffentlichten MITRAILLE ein erstes Tape, 2022 kam das (ebenfalls titellose) Debüt, und nun ist der zweite Longplayer raus, der aber gar nicht so long ist – gerade mal neun Songs gibt’s. Die erinnern mich immer wieder an die BRIEFS, MITRAILLE haben ein Händchen für powerpoppige Garage-Punk-Nummern, dürften hier und da aber auch gerne etwas mehr Tempo und Hektik an den Tag legen. Bei „Three horses“ etwa beweisen sie, dass sie das durchaus draufhaben. Sollten die SHOCKS noch mal spielen, könnten sie sich MITRAILLE und THE BRIEFS und THE VAGEENAS als Gäste einladen und alle würden feiern.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #177 Dezember 2024/Januar 2025 2024 und Joachim Hiller