
Es gab Zeiten, da sahen Zines meist recht individuell aus. Format konnte egal sein, Satz und grafische Gestaltung auch. Kopiert oder gedruckt – egal. Hauptsache raus mit den eigenen Gedanken. Diese Art von selbstveröffentlichter und unperfekter Zine-Literatur ist seltener geworden, was vielleicht auch mit den niedrigschwelligen Produktionsmitteln zu tun hat, die nun zur Verfügung stehen. Und der Tatsache, dass Printprodukte sowieso immer weniger werden. Das Zine von Muck Giovanett aus Hamburg steht in dieser alten Tradition des kreativen DIY-Gedankens. Muck macht schon seit den 1990ern Zines und erkundet das A5er-Format anders als erwartet. Statt ein Hoch- wurde das Querformat gewählt, statt Bindung wird ein akkurat gelochter Stapel Seiten von Geschenkband zusammengehalten. Fällt auf jeden Fall sofort auf. Kann man von der Form auf den Inhalt schließen? Vielleicht. Das Schlüsselkind könnte auch ins Genre Egozine fallen, denn inhaltlich besteht das Heft komplett aus recht ausführlichen Texten von Muck, manchmal mit Musikbezug (Trust vs. BERLIN 2.0), manchmal auch einfach die Anstrengungen des alltäglichen Lebens betreffend. Das ist ziemlich nah dran am Autor, einiges kennt man auch selber, weil es nun mal auch Alltagsdinge sind. Leider ist die grafische Gestaltung so schlicht, fast schon buchartig, dass es etwas mühsam ist, alles zu erfassen. Schade, denn manche Passagen sind durchaus gut, im geballten Bleiwüsten-Layout für mich allerdings etwas zu anstrengend.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #185 April/Mai 2026 und Gary Flanell