James Hills „Sherlock Holmes’ größter Fall“ erschien auf Blu-ray bereits 2017, zuvor gab es 2005 eine qualitativ mäßige DVD-Veröffentlichung. Die Neuauflage von Pidax dürfte qualitativ der früheren von Blu-ray von Koch entsprechen, mit dem den Originaltrailer als Bonus. Zusätzlich gibt es hier noch den Film „Der Mieter“ von Wolf Dietrich aus dem Jahr 1967, der bei Pidax bereits schon mal 2019 einzeln auf DVD erschien. Die deutsche Produktion mit Pinkas Braun, die abgesehen von einigen wenigen Außenaufnahmen den Charakter eines Kammerspiels hat, hat zwar keinen Sherlock Holmes zu bieten, dafür aber einen Frauenmörder, der es im viktorianischen London auf Prostituierte abgesehen hat. Ähnlich wie der gleichnamige Alfred Hitchcock-Film von 1927 basiert auch Dietrichs minimalistischer Kriminalfilm auf dem Roman „The Lodger“ von 1913, inspiriert von den Jack the Ripper-Morden des Jahres 1888. Bekanntlich gibt es ja viele Holmes-Geschichten, die nicht mehr aus der Feder des eigentlichen, 1930 verstorbenen Autors Arthur Conan Doyle stammen, etwa Nicholas Meyers auch verfilmter Roman „The Seven-Per-Cent Solution“ von 1974. Auch für Hills „Sherlock Holmes’ größter Fall“ gibt es keine Doyle-Vorlage. Ähnlich wie das Aufeinandertreffen von Holmes und Freud bei Meyer, also einer fiktiven und real existierenden Figur, wäre das von Holmes und Jack the Ripper theoretisch zeitlich möglich gewesen. Wer Jack the Ripper war, wurde zwar nie geklärt, aber es kursieren viele (Verschwörungs)Theorien dazu. Hills Film weist diesbezüglich einige Parallelen zu Alan Moores komplexer Graphic Novel „From Hell“ auf, in der der Killer im Auftrag des britischen Königshauses gehandelt haben soll. Hills Film ist deutlich simpler gestrickt, kombiniert aber sehr gelungen viktorianischen Gothic-Horror mit den typischen Zutaten einer Holmes-Geschichte.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #178 Februar/März 2025 und Thomas Kerpen