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FAUST

So Far

Mit der Veröffentlichung des kompletten FAUST-Schaffens der Jahre 1971 bis 1974 als 8CD- und 7LP-Box durch Bureau B hatte eine der einflussreichsten und laut Julian Cope mythischsten deutschen Bands der Krautrock-Ära, das Kapitel Rereleases 2021 eigentlich abgeschlossen, aber da sowohl CD- als auch LP-Box schnell zum raren Collector’s Item mutierten, haben weitere Wiedervöffentlichungen nach wie vor ihre Berechtigung. Und so gibt es aktuell eine Neuauflage des zweiten FAUST-Albums „So Far“ von 1972 auf 180-g-Vinyl („Remastered from the original tapes“). Im Gegensatz zur Vinyl-Neuauflage von Polydor aus dem Jahr 2010 hat die von Munster schon mal den Vorteil, dass hier auch die Kunstdrucke zu jedem Song der Originalveröffentlichung enthalten sind, die bei Bureau B auch nur in einem Booklet auftauchten. Nach dem sperrigen und kommerziell erfolglosen Debüt von 1971 mit seinen wilden improvisierten Klangcollagen und der legendären Röntgenfaust auf dem Cover stellte „So Far“ für die Band eine zweite Chance dar, den Vorstellungen der Plattenfirma Polydor mehr entgegenzukommen und etwas kommerziell Verwertbareres abzuliefern. Beim an VELVET UNDERGROUND erinnernden recht beschwingten ersten Stück „It’s a rainy day, sunshine girl“ könnte man für FAUST-Verhältnisse fast von einer echten Hit-Single sprechen (mit sieben Minuten allerdings etwas zu lang geraten), aber der Rest war dann ähnlich sperrig und unverkäuflich. Die genialen Dilettanten FAUST präsentierten sich hier unter anderem als Vorläufer von Industrialmusik und frönten voll und ganz ihrem avantgardistischen Kunstverständnis und ihrem Sinn für dadaistische Gaga-Songs. Auch über 50 Jahre nach seiner Entstehung bleibt „So Far“ ein ziemlich abenteuerliches, auf seine Art sicherlich zeitloses Album, das einen mit seiner unberechenbaren Ideenfülle abseits konventioneller Rockmusik immer wieder in Erstaunen versetzt.

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