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SÓLSTAFIR

Hin Helga Kvöl

Es ist schon verblüffend, wie man über Jahrzehnte etwas übersehen kann und sich bei der späten Entdeckung dann fragt, warum, man die ganze Zeit so ignorant war. Es gibt Lebensmittel und Speisen, die man nie gegessen hat, weil ... einem die angeblich nicht schmecken. Bis man sie zu sich nimmt und sich fragt, wie man so doof sein konnte, weil: lecker. So ein Fall sind SÓLSTAFIR aus Island, 1995 gegründet als Black Metal-Band und seitdem weit gekommen stilistisch. „Hin Helga Kvöl“ ist ihr achtes Album und es läuft bei mir seit Wochen in Dauerschleife. Klar kannte ich den Namen, aber wenn sie im Ox besprochen wurden, tat das jemand anderes und ging an mir vorbei. Und jetzt diese Platte, die mich total abholt. Von finsterster nordischer Raserei hat sich die Band um Adalbjörn Tryggvason (voc, gt) lange schon emanzipiert, in ihrer Sound-DNA ist das Schwarzmetallische wohl auf ewig angelegt. Sie entwickelten aber einen gewissen Hang zum Elegischen, zu Post-Metal – so unkonkret der Terminus auch sein mag – und eine Vorliebe für die Rock-Seite des Goth (siehe FIELDS OF THE NEPHILIM) und schmiedeten daraus eine intensive Mischung, die mich packt und fesselt. SÓLSTAFIR sind eigenwillig und einzigartig, sie begehen nie den Fehler anderer Bands, auf effektheischenden Kitsch und plumpen Bombast in wuchtiger Überproduktion zu setzen. Mich erinnert das teilweise an BEASTMILK beziehungsweise GRAVE PLEASURES und auch an die schwedischen Pioniere THE LEATHER NUN. Bemerkenswert ist der Wechsel zwischen wuchtigen Nummern, fast schon eingängigen Stücken wie „Blakkrakki“, dem leisen, bedächtigen „Salumessa“ oder dem mit Pianoklängen eingeleiteten „Freygatan“. Neun wirklich beeindruckende Song-Unikate – und ich schätze, ich habe eine neue Lieblingsband. Besser spät als nie.

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