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WALZER FÜR NIEMAND

Sophie Hunger

Der Debütroman von der Schweizer Musikerin Sophie Hunger ist ein kurzes Vergnügen, denn die Seitenzahl täuscht. Vor jedem Kapitel gibt es ein kurzes Essay zur Walserin, manchmal zusätzlich auch eine Zeichnung und auf jeder Seite in etwa so viel Text, wie man es aus Gedichtbänden kennt. Auch wenn das Buch als „Roman“ deklariert ist, enthält die Geschichte von frühester Kindheit bis zum Vorspielen im Bataclan mutmaßlich autobiografische Züge, und damit genau das, was der Fan von Sophie lesen will, weil sie in Interviews erfreulich wenig von sich preisgibt und ihren „Rules Of Fire“ treu bleibt. Ob man anschließend so viel schlauer ist, sei dennoch dahingestellt. Das Buch hat für mich dort seine Stärken, wo es zu frühen musikalischen Berührungspunkten kommt und später, als sie in Zürich lebt, ihre ersten eigenen Platten kauft. Ein Bücherschrank und eine Plattensammlung sagen immer noch mehr über eine:n Künstler;in als 1.000 Worte. Wo kommt das her, woher stammt dieses oder jenes Zitat, welche musikalische Sozialisation macht diesen Menschen aus? Über den Roman hinweg begleitet sie ein gleichaltriger „Niemand“, der am Ende spurlos verschwindet. Ob der junge Mann, dessen Beziehung stets freundschaftlich bleibt, real oder eben ein imaginärer Freund ist, spielt im Grunde keine Rolle, nur sein wortloses und abschiedsfreies Verschwinden, das sich über viele Seiten andeutet. So begleiten wir die Diplomatentochter Sophie durch ihre Kindheit an verschiedenen Botschaften in Europa, bei ihren ersten Gehversuchen auf der Bühne, bis hin zu regelmäßigen Konzerten, mit denen Stück für Stück ein wenig von Niemand verblasst, bis er völlig abgemagert schließlich ganz verschwindet. Exakt so fühlt sich Erwachsenwerden an.

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