
Henryk Gericke hat mit Tapetopia, dem Unterlabel von Aufnahme + Wiedergabe, die Reihe „GDR Underground Tapes 1980-90“ initiiert. „GDR“ ist die englische Abkürzung für German Democratic Republic und dementsprechend dokumentiert sie die DDR-Subkultur der 1980er Jahre. Dort entwickelte sich eine von strengen Repressionen bedrohte Musikszene, die ihre Musik nicht veröffentlichen durfte. Sie wurde stattdessen auf Kassetten aufgenommen und im Geheimen verbreitet, als „Arbeitsbericht auf Nachfrage“. Diese bedeutsamen, historischen Tondokumente sind nun erstmals auch einer breiten Öffentlichkeit auf Vinyl und natürlich auf Tape zugänglich. Aus heutiger Sicht ist es schwer nachvollziehbar, warum genau die DDR-Führung in „Strike Me If I Shriek“ revolutionäres Potenzial gesehen haben könnte. Dass es L’AMBASSADEUR DES OMBRES (oder vor allem dessen Vorläufer NEUNTAGE) in gegenkulturellen Kreisen zu einiger Bekanntheit gebracht haben, war bereits ausreichend, um Verdacht zu erregen. Ähnlich der Ursprungsband, die vor allem dem Wave zugeneigt war, orientierten sich L’AMBASSADEUR DES OMBRES auf „Strike Me If I Shriek“ am dunklen Synthpop von TUXEDOMOON, an Darkwave und an der Experimentierfreude von CABARET VOLTAIRE.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #180 Juni/Juli 2025 und Henrik Beeke