
Eine Band, wie sie wohl nur während der Pandemie entstehen konnte, sie geht auf eine Idee von 2020 zurück: vier Menschen machen aus der Distanz ein Album. Und machen schon wegen der individuellen musikalischen Biografie neugierig: HEAVEN SHALL BURN-Schlagzeuger Christian ist am Bass, Stoffel von YACØPSÆ spielt Gitarre, Katharina Neuner am Bass kennt man von LOST LYRICS und bei Sänger Karl Nagel denken in deutscher Punk-Geschichte geschulte Menschen an MORBID OUTBURST, MILITANT MOTHERS und KEIN HASS DA. Von einem „All-Star-Studio-Projekt“ schreibt Holy Goat-Ralf, was die Band weglächelt, sich aber in der Tat mit Prognosen bezüglich der Live-Situation deutlich zurückhält. Wertet das ein Album ab? Gegenfrage: Wie viele Lieblingsplatten haben wir von Bands, die wir nie live gesehen haben? Eben. Karl Nagels Stimme fand ich schon zu Urzeiten bei MORBID OUTBURST und MILITANT MOTHERS super, einen leichten Jello-Tremolo hat er auch, wütet herum, irgendwer kreischt Backingvocals dazu, und dass er ein Mann der spitzen Zunge und klarer Worte ist, wird auch deutlich, siehe etwa „Capslock tribesmen“ über Social-Media-Tastenritter mit Hang zu Großbuchstaben oder das pampige „Boomer tumor“ – man darf dem Gejammer der Gen Z auch einfach mal was entgegensetzen mit Altpunk-Attitüde. Musikalisch zeigt sich, dass trotz der unterschiedlichen Hintergründe in Sachen lauter Musik Stoffel, Christian und Katharina eine gemeinsame Sprache sprechen: Ich verkürze das mal auf 1980er-US-Hardcore-Punk. Stattliche 19 Songs nahm das Quartett arbeitsteilig auf, und angesichts der Tatsache, dass auch Alben von „richtigen“ Bands heutzutage entstehen, ohne dass auch nur zwei Leute mal gemeinsam im Studio sind, sollte das nicht weiter interessieren. Schade wäre es aber, wenn die Songs wirklich für alle Zeiten live unaufgeführt bleiben sollten.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #181 August/September 2025 und Joachim Hiller
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