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DIE SELTSAME GESCHICHTE DER PANORAMA-INSEL

Suehiro Maruo

Der japanische Autor Hirai Taro, bekannt unter dem an die japanische Aussprache des Namens Edgar Allan Poe angelehnten Pseudonym Edogawa Rampo (1894-1965), gilt als einer der prägenden Köpfe des japanischen Mystery- und Kriminalromans. Im Vergleich zu seinem berühmten Vorbild fallen Rampos Geschichten allerdings deutlich kafkaesker, horrorhafter und vor allen Dingen erotischer aus. Ab den 1920ern bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs verfasste er zahlreiche in das Genre „ero guro nansensu“ (erotisch grotesker Nonsens) fallende Werke, stellte diese Aktivitäten aber nach Kriegsende und zeitweiser Zensur zugunsten des Schreibens von Detektiv-Jugendromanen fast vollständig ein. „Die seltsame Geschichte der Panorama-Insel“ aus dem Jahr 1926 fiel entsprechend noch in die Hochzeit seiner „Ero guro nansensu“-Phase und wartet in der ersten deutschen Übersetzung überhaupt mit einer ganzen Palette an Absurditäten auf. Neben einer sonderbaren Doppelgängerkomponente und ausschweifenden erotischen Orgien huldigt er auch einer Modeerscheinung des ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts: großflächig in Rotunden platzierten Rundumpanoramen, in dieser Novelle mit aufwändigen Landschaftsneugestaltungen bewusst übertrieben kitschig auf die Spitze getrieben. Suehiro Maruo musste diese starke Vorlage eigentlich nur noch in Bilder umsetzen, was ihm in seinem typischen, an die Tradition japanischer Holzschnitte angelehnten feindetaillierten Stil spielend gelingt. Was in Japan schon 2007/08 im Manga-Magazin Comic Beam betrachtet werden konnte, darf also jetzt auch hier seine Leserschaft finden. Hemmungsloser Exzess am Rand moralischer Abgründe und darüber hinaus. Ab 18!

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