
Musik funktioniert auch als Mittel zur Darstellung eines schlecht in Worte zu fassenden Bilds. „Spectral“ von SUM OF R macht genau das fehlerfrei. Wer schon lange versucht hat, den Soundtrack zur Hölle zu finden, dem ist das Album wirklich nur empfehlen. Denn mit „Spectral“ bekommt man eine Führung durch das ewige Leid in der Hölle. Jedes Lied beginnt mit einem langen, sich unangenehm in die Länge ziehenden und eingängigen Intro. Wobei die zur Szenerie passenden Vocals teilweise aus einem bestialischen Knurren bestehen, die von der auf dem Cover abgebildeten Kreatur stammen könnten, aber sich wie bei „Beer cans in a bottomless pit“ auch mal zu „normalem“ Gesang entwickeln. Erwähnenswert ist „Violate“, wo der Sänger sich wirklich alles von der Seele schreit. Das Schlagzeug, das in der Theorie häufig der Feind von Atmosphäre ist, leistet einen einzigartigen Dienst und unterstützt den ächzenden Gesang und die tranceartigen Gitarrenmelodien als ein organisches Werkzeug. Vermehrt sind auch Dissonanzen und sich schneidende Melodien zu hören, die schnell eine Gänsehaut erzeugen. Besser ist es, vor dem Hören keine Drogen genommen zu haben, sonst steht wahrscheinlich ein Horrortrip vor der Tür. Letztendlich ist das Album nicht für jeden Geschmack gemacht, aber für Fans von Drone mit einem großen Dark-Ambient-Anteil passt es sicherlich.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #113 April/Mai 2014 und Mark-Oliver Schröder
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