
Wenn sich Jens Rachut schon mal zu so was wie einer Produzententätigkeit hinreißen lässt, muss man schon etwas im Beutel haben, schließlich hat der Mann Besseres zu tun, als mit einer Nachwuchsband Stunden und Tage an Lebenszeit sinnlos in einem Studio zu verplempern. Denken wir TURBOSTAAT (vor allem beim Gesang) mal ein wenig weiter, minimaler, etwas elektronischer, mehr in den Post-Punk, dann schmeckt das schon einigermaßen nach dem, was die Hamburger hier abliefern. Erinnert mich daneben auch ein wenig an frühe IDLES auf Gras und an das, was Torsun skizzenhaft mit den STEREOTRONICS angerissen hat. Der Sound ist groß angelegt, die meiste Zeit kann man lässig mittanzen, denkt sich bei den Lyrics aber ein ums andere Mal: WTF?! Hat der das da gerade wirklich gesungen oder besser gesagt? Nein, auf den ersten Hinhörer sind die Texte nicht eindeutig oder plan, dafür aber so, dass man gerne zur Beilage greift, um sich zu vergewissern, ob man das richtig verstanden hat oder nicht. Schön ist das vielleicht nicht, aber dafür ist es immer schön dreckig und zynisch. Musikalisch ist das so weit draußen, dass direkte Vergleiche glücklicherweise scheitern. Diese Mixtur gab es vorher so noch nicht. Auch wenn die Zutaten allesamt bekannt sind, hat der Brennmeister hier einmal mehr etwas zusammengebraut, das es so vorher noch nicht gab. Ich find’s herrlich.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #178 Februar/März 2025 und Kalle Stille