
Es ist nicht wirklich verwunderlich, dass das Debütalbum von GUILTLESS aus Seattle auf Neurot Recordings erscheint (nach der EP „Thorns“ von 2024), denn der zähe und wuchtige Sludge-Doom-Industrial des Quartetts ist nicht weit von NEUROSIS entfernt, die im Bereich Post-Metal in den 1990ern absolute Vorreiter waren. Deren extremer Pionierstatus führt leider auch immer wieder dazu, dass ähnlich gestrickte Bands wie uninspirierte Copycats wirken, denn es fällt schwer, die Intensität von NEUROSIS signifikant weiter zu steigern. GUILTLESS versuchen das zumindest durch einen möglichst wuchtigen Sound, bei dem sie alle Register ziehen, um das Tor der Finsternis zu öffnen, aber klingen dabei letztendlich immer zu kontrolliert und berechenbar. Insofern sind GUILTLESS eine dieser Bands, die temporär Eindruck hinterlassen, aber dann auch schnell wieder vergessen sind. Auch bei der Entfesselung von musikalischer Boshaftigkeit ist eine gewisse Nachhaltigkeit beziehungsweise Originalität angesagt, aber auch NEUROSIS haben in dieser Hinsicht ja einige Anläufe gebraucht.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #180 Juni/Juli 2025 und Thomas Kerpen