
Wolfgang Flür war von 1972 bis 1987 Mitglied von KRAFTWERK und damit wie sein Kollege Karl Bartos an der kreativsten Phase der Elektronikpioniere beteiligt, diesen Eintrag in die Musikgeschichte wird ihm niemand mehr nehmen können. Allerdings ist dabei nicht ganz klar, inwiefern Flür hier mehr war als eine handwerklich nützliche Honorarkraft mit begrenztem Mitspracherecht. Wer seine Autobiografie „Ich war ein Roboter“ kennt, weiß, dass es Flür nicht an Selbstbewusstsein mangelt, eher an Selbstreflexion und gesunder Einschätzung der Qualität seiner musikalischen Errungenschaften nach dem Ende seiner Karriere bei KRAFTWERK. Zuletzt erschien 2022 bei Cherry Red das Album „Magazine 1“, bei dem Flür mit Peter Duggal zusammenarbeitete, Musiker und Produzent aus Manchester und Anfang der 1990er im Acid-House-Bereich aktiv. Zudem umgab er sich mit prominenten Gästen wie Midge Ure (ULTRAVOX), Peter Hook (JOY DIVISION, NEW ORDER) oder Claudia Brücken (PROPAGANDA). Duggal ist jetzt ebenfalls an dem Nachfolger „Times“ beteiligt, und auch Peter Hook gibt sich wieder bei zwei Stücken die Ehre, neben anderen Gästen wie Boris Blank von YELLO, ohne dass sich das allerdings musikalisch bemerkbar machen würde. Stattdessen gibt es wie auf „Magazine 1“ ziemlich uninspirierte, seelenlose Techno-Sounds mit KRAFTWERK-Referenzen, die von Flür so unfokussiert und kopflos zusammengeschraubt wurden, dass es irgendwann nervt. Traurig, dass man das über diesen Mann sagen muss, aber „Times“ ist eher ein Album für die Tonne.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #161 April/Mai 2022 und Thomas Kerpen
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #162 Juni/Juli 2022 und Thomas Kerpen
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #180 Juni/Juli 2025 und Thomas Kerpen