
Das Problem vieler aktueller Horrorfilme ist, dass sie über ihre groteske Oberfläche hinaus eine Bedeutsamkeit und Aufmerksamkeit anstreben, für die ihnen aber eine wirkungsvolle Emotionalität und ein eindeutiger, fest umrissener Sinngehalt fehlt, selbst wenn sich das Ganze nur innerhalb der Logik von Genregesetzmäßigkeiten abspielt. Solche Fälle waren in letzter Zeit „The Substance“ und „Bring Her Back“, die einem zwar verstörende Bilder aber keine inhaltliche Substanz lieferten. Bei „Together“, dem Spielfilmdebüt des Australiers Michael Shanks, das inzwischen auf DVD und Blu-ray erhältlich ist, stellt sich schon mal die grundsätzliche Frage, ob dieser „beste Horrorfilm des Jahres“ überhaupt ein Horrorfilm ist. Zwar spielt Shanks mit Elementen von Body Horror – die Eingangssequenz scheint von John Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“ inspiriert worden zu sein – und deutet nichtmenschliche Einflüsse auf die Menschheit an wie in „Die Farbe aus dem All“ von Lovecraft, bleibt dabei aber inhaltlich ähnlich vage, wie es bei seinen Kolleg:innen der Fall ist. Das wird seinem schwarzhumorigen Film aber weniger zum Verhängnis, denn „Together“ funktioniert auch abseits seiner Horror-Elemente als metaphorische Verarbeitung einer Beziehungsgeschichte, die erste Risse zeigt, als eine veränderte isolierte Lebenssituation mit zu großer Nähe – von New York in ein abgelegenes Haus auf dem Land – und nicht deckungsgleiche Lebensentwürfe zu einer schleichenden Entfremdung führen, was dann am Ende in einer bizarren Transformation gipfelt und dem schmerzhaften Verlust der eigenen Identität. Die Glaubwürdigkeit des surrealen Beziehungs-Albtraums von „Together“ wird auch dadurch gesteigert, dass Alison Brie und Dave Franco, die die Grundschullehrerin Millie und den Musiker Tim spielen, auch im wirklichen Leben ein Paar sind.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #183 Dezember 2025/Januar 2026 2025 und Thomas Kerpen