
Ich frage mich bis heute, warum ich nicht im September 1988 beim The Sound & The Fury-Festival in der Zeche Carl war. Denn die im Jahr zuvor entstandene, gleichnamige Compilation mit inzwischen größtenteils in Vergessenheit geratenen Bands wie WELL! WELL! WELL!, FENTON WEILLS, LAND OF SEX & GLORY, FERRYBOAT BILL oder STRANGEMEN besitzt immer noch einen Ehrenplatz in meiner Plattensammlung. Leider wurde „The Sound & The Fury“ nie neu aufgelegt und auch nie auf CD veröffentlicht – ebensowenig wie die in diesem Kontext entstandene Single „Mandy“, eine Coverversion des vor allem durch Barry Manilow bekannten Songs unter Beteiligung fast aller „The Sound & The Fury“-Bands. Dafür gab es 1997 auf Vielklang einen unnötigen zweiten Teil der legendären Big Store Records-Compilation, der nichts mehr mit der damaligen musikalischen Aufbruchstimmung im Umfeld der Ruhrgebietsstadt Waltrop zu tun hatte. Im in Eigenregie herausgebrachten voluminösen und reich bebilderten Band „Vierspur, Kleber & Gitarrenkrach“ versucht sich Martin Schmidt, selbst Musiker bei der Surfrock-Band THE RAZORBLADES, jetzt an einer Aufarbeitung des „deutschen Gitarrenundergrounds der 1980er“ und interviewte dafür die meisten „The Sound & The Fury“-Bands, ebenso wie Rembert Stiewe von Glitterhouse oder die Big Store-Macher Daniel Lütkenhaus und Jochen Finke (dessen Bruder Wolfgang bei WELL! WELL! WELL! spielte). Aufgrund der räumlichen und persönlichen Nähe vieler Beteiligter gleichen sich viele Antworten, dennoch entsteht ein lebendiges Porträt einer speziellen DIY-Szene amerikanisch geprägter Gitarrenbands im Ruhrgebiet, die eine Wiederentdeckung verdient hätten.