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MAX MÜLLER

Was weiß ich

Es widerstrebt mir ja stets gehörig, aus Promo-Infos der Labels zu zitieren. Bei Fidel Bastro mache ich aber gerne eine Ausnahme. Mit Füllfeder auf einem ausgerissenen Kalenderblatt notiert: „Max Müllers neue, vierte Solo-Platte. Sonst singt er bei MUTTER. Oder malt.“ Alles gesagt und auf den Punkt gebracht. So läuft Zielgruppen-Marketing. Und das MUTTER-Namedropping kann man auch nicht ganz außen vorlassen. Denn gleich zu Beginn, nach einem orchestralen Intro, wird man bei „Könnt doch alles so schön sein“ mit der Nase drauf gestoßen. Es folgen dreißig weitere Kleinode, die „Was weiß ich“ zu einem opulenten Werk machen. Das Album wirkt eher zusammengewürfelt als homogen, was in diesem Fall aber kein Kritikpunkt ist. Im Gegenteil. Instrumental- und Vokal-Stücke reihe sich an einander, mal zart, mal hart, mal poppig, mal noisig. Dabei geht es stets um Max Müllers Sicht auf die Welt und seine Empfindungen. Was macht die Welt mit mir? Müller findet eher Ansätze als Antworten. Und musikalisch beschreitet er da mannigfaltige Pfade, die von Krautrock bis Chanson, von Noise bis Disco reichen. „Was weiß ich“ ersetzt bei weitem kein neues MUTTER-Album, aber es ergänzt Max Müllers Gesamtwerk – solo und mit Band – hervorragend. Das ist zeitlose Musik mit langer Halbwertzeit, in der viel Weisheit steckt.