
Lang ist es her. Ende der 1980er Jahre spielten Gitarrist Jon Fine und Schlagzeuger Orestes Morfin zusammen mit Sooyoung Park (der dann in den 1990ern mit SEAM einige fantastische Slowcore-Platten aufnahm) bei BITCH MAGNET. Im weitesten Sinne eine typische Noiserock-Band dieser Zeit, kantig, melodiös und lärmig zugleich, die aufgrund ihrer songwriterischen Klasse definitiv eine Wiederentdeckung verdienen würde. Ihre beiden Alben „Umber“ (1989) und „Ben Hur“ (1990), ebenso wie die erste EP „Star Booty“ (1988), erschienen hierzulande bei Glitterhouse und passten gut zum Roster des Labels, wo schon damals GREEN RIVER, MUDHONEY, TAD oder THE FLUID anzutreffen waren. Fine spielte dann bei den anstrengenden Mathrockern DON CABALLERO, während Morfin/Delatorre in den 1990ern etwa bei WALT MINK anzutreffen war. Aktuell sind Fine und Morfin/Delatorre zusammen mit dem in London lebenden Simon Kobayashi beim Instrumental-Trio WE CONTAIN MULTITUDES aktiv, die gerade ihr Debüt „Minako“ veröffentlicht haben. Irgendeine Form von Neo-Grunge darf man nicht erwarten, auch wenn weiterhin die Post-Hardcore/Noiserock-Roots des Trios spürbar sind – DON CABALLERO sind hier sicher näher dran als BITCH MAGNET. Stattdessen erinnern die sieben, meist epischen Stücke (der Titeltrack bringt es auf 16 Minuten) an den Mantra-artigen Trance-Stoner-Psychedelic-Rock der großartigen OM, deren repetitiv-monotone Strukturen eine ähnlich mitreißende Melodiösität und groovende Dynamik entwickeln.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #181 August/September 2025 und Thomas Kerpen