
Ich wiederhole mich da etwas, aber die Releases von Crass Records aus den frühen 1980ern waren nichts für Nervenschwache oder eingleisig auf Drei-Akkord-Punk fixierte Menschen. Die beiden Punk-Poeten Andy T und Penny Rimbaud (CRASS) waren 1982 zusammen im Southern Studio und nahmen diese Spoken-Word-Performance auf: Andy T, der zuvor auch schon unter den (Band-)Namen FUCK THE C.I.A. und REPUTATIONS IN JEOPARDY aktiv war, rezitierte Texte zu damals aktueller Politik und Szenethemen, und dazu gab es verfremdete Stimmfetzen und Geräusche. Strengt es an, das zu hören? Ja. Ist es ein Zeitdokument? Ja. Würde es im Zweifelsfall inhaltlich genügen, solche Texte zu lesen? Auch ja. Denn der Hörgenuss, seien wir ehrlich, hat was von Fingernägeln auf Schultafel ... Beim Artwork sah sich Andy T dem Wiener Aktionismus verpflichtet. Ja, es gibt Nacktheit, weshalb bei Discogs das Cover nur Altersverifizierten angezeigt wird, und im Inneren des riesigen Faltcovers in alter CRASS-Tradition gibt es noch mehr Nudity, mit der man heute wohl keine Zwölfjährigen mit rudimentärer Interneterfahrung mehr schocken könnte. Die Themen – Kapitalismuskritik, Tierrechte, Szeneignoranz – sind immer noch aktuell, die Darbietung ist allerdings nur noch historisch-dokumentarisch von Belang.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #181 August/September 2025 und Joachim Hiller