Foto

GHOSTWOMAN

Welcome To The Civilized World

Evan Uschenko und Ille van Dessel haben ein Album gebaut, das zwischen Garage, Psychedelia und Desert Rock oszilliert, ohne je in Retro-Nostalgie zu verfallen. Die Platte beginnt mit einem flirrenden Sog, der sofort klarstellt, dass hier kein Hochglanzprodukt wartet, sondern ein verdichteter Moment zwischen Selbstzweifel und Widerstand. Stücke wie „Levon“ oder „Anhedonia“ taumeln zwischen minimalistischem Blues und brüchigem LoFi-Pop, während „Alive“ fast hymnisch wirkt, aber den Refrain lieber im Staub liegen lässt als im Radio. Die Gitarren klingen nach New Wave-Kühlschrank, Illes Schlagzeug bleibt stoisch, trocken, reduziert – ein stoisch voran drängender Puls, der nie nach Effekten verlangt. Auf „Welcome To The Civilized World“ bleibt vieles Skizze, manches bewusst unfertig – doch gerade das macht den Reiz aus. Diese Songs atmen wie spontane Aufnahmen aus einem Sommer, der längst vorbei ist, und wirken doch gegenwärtig, als hätten sie erst gestern begonnen. Ganz ohne Makel ist das Werk allerdings nicht: Einige Tracks wirken unfertig, der Sound klingt gelegentlich zu sehr nach „Testaufnahme“ – das erste Taping mit neuem Bandgerät. Zudem bleibt das Songwriting in Teilen hinter den Ambitionen zurück: Der große Wurf fehlt, einzelne Momente bleiben skizzenhaft. Gerade in dieser Mischung aus Wucht und Rohheit, aus Melodie und Verweigerung liegt jedoch die Würze des etwas unsortierten Albums.

Anzeige