WIR KINDER VOM BAHNHOF ZOO

1978 erschien das Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, basierend auf den Erinnerungen der minderjährigen Berliner Drogenabhängigen und Beschaffungsprostituierten Christiane Felscherinow, ein zeitloses und immer noch erschütterndes Dokument über den Teufelskreis der Drogensucht und sozialen Verwahrlosung, der Felscherinow später immer wieder einholte. „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ wurde zum meistverkauften Buch in Deutschland, und sogar zur Schullektüre, und Felscherinow zu Deutschlands berühmtestem Junkie – 2013 folgte ihre echte Autobiografie „Christiane F. – Mein zweites Leben“. 1981 verfilmte Uli Edel das Buch, liefert darin auch authentische Bilder für das Drogen-Milieu, aber inhaltlich kratzt sein Film nur an der Oberfläche des extrem krassen und eigentlich unverfilmbaren Buches. 2021 lief dann auf Amazon Prime eine moderne und sehr sehenswerte Neuerzählung von „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ als achtteilige Fernsehserie, die jetzt endlich mal auf DVD und Blu-ray erschien. Geprägt ist die Serie, in der es um das Schicksal von sechs Jugendlichen der Berliner Drogen- und Clubszene geht und die Edels damaliger Verfilmung in erzählerischer Hinsicht weit überlegen ist, von einer Art magischem Realismus mit anachronistischen Elementen, die zwar klar in den 1970er Jahren verwurzelt ist, aber durch ihren Look und die eingesetzte Musik auch in der Jetztzeit spielen könnte. Denn an dem generellen Lebensgefühl und den Problemen von Jugendlichen hat sich schließlich bis heute nichts grundlegend geändert, deren Traum vom Glück hier geprägt ist von Enttäuschungen und dsyfunktionalen Familienverhältnissen, was eine mit Drogensucht verbundene, selbstzerstörerische Realitätsflucht zur Folge hat, die nicht weniger schonungslos und niederschmetterend als in Felscherinows Buch dargestellt wird.

Anzeige