
Der Sound atmet 1990er-Jahre-Nostalgie ein und atmet sie im aktuellen Jahrtausend wieder aus: Riot Grrrl-Attitüde trifft auf Gegenwart. Wie gewohnt feministisch und pointiert. Was sofort Laune macht, sind die treibenden Bassriffs. Sie drücken die Songs nach vorne, geben ihnen Antrieb und Tiefe. Darüber legen sich Gitarren, die mal schrammelig, dann wiederum sehr eingängig daherkommen. Zeitweise wird es durchaus poppig. Die Songs üben unter anderem deutliche Kritik an der wachsenden Abhängigkeit von Medien und KI („Organoid“). Der Song „This is water“ handelt von der Angst, sich selbst untreu zu werden. Dennoch offenbart sich beim Durchhören eine gewisse Gleichförmigkeit. Die Energie bleibt hoch, die Qualität ebenso, aber echte Überraschungsmomente bleiben aus. Die Songs greifen stilistisch stark ineinander, nur ein echter Ohrwurm ist nicht dabei. Unterm Strich ist das neue Album von DREAM NAILS definitiv kein Fehlgriff. Im Gegenteil: Es ist solide, kraftvoll, in sich stimmig. Aber es fehlt der Funke, der einen wirklich vom Hocker reißt. Statt Eskalation gibt es Konstanz. Das ist solide, nur eben nicht revolutionär.
© by Fuze - Ausgabe #117 April/Mai 2026 und Sandra Monterey