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YOUNG GODS

Appear Disappear

Eine Sache, die mich im Umgang mit der 1985 im schweizerischen Fribourg gegründeten Band von jeher verwirrt hat, war die Existenz des Labels Young God Records ... das aber mitnichten von THE YOUNG GODS betrieben wird, sondern das Label von Michael Gira von den SWANS ist, auf dem viele Releases aus seinem Kontext erscheinen. Des Rätsels Lösung: Franz Treichler (voc, gt), Cesare Pizzi (key) und Frank Bagnoud (dr) hatten sich seinerzeit, 1985, vom SWANS-Song „Young god“ inspirieren lassen. Ihr titelloses Debütalbum erschien 1987, seither wurde es unzählige Male in zig Versionen neu aufgelegt, was ein Beleg dafür ist, als wie einflussreich es sich mit seinem proaktiven Einsatz von Elektronik- und Samplingtechnik erwiesen hat. Im Grunde waren THE YOUNG GODS spät dran in ihrem Genre: von „Post-Industrial“ ist bisweilen die Rede, sie betraten die Bühne lange nach den UK-Pionieren des Genres, und auch die großen Alben aus Wave/Goth waren 1987 schon erschienen. Dies war der Kontext, das war das Publikum, das THE YOUNG GODS damals goutierte, zusammen mit FOETUS, LAIBACH und KRUPPS. Vielleicht hatten sie den Vorteil, auf eine mittlerweile weltweit boomende Szene setzen zu können. Sang die Band anfangs noch auf Französisch, wechselte sie 1992 zu (nicht nur) Englisch, der kommerzielle Erfolg stellte sich dann auch in den USA ein. Ihr nächstes Album „L’Eau Rouge – Red Water“ erschien 1989 auf Play It Again Sam, wurde produziert von Roli Mosimann (siehe Ox-Feature in #178), „T.V. Sky“ kam 1992, es folgten zig weitere Alben, mal im „klassischen“ Sound der Band, aber auch akustische Ausflüge und diverse Live-Platten. Personelle Konstante der Band war und ist Franz Treichler, er hielt die Fäden all die Jahre zusammen, doch auch Cesare Pizzi, der Mann mit den prägenden Ideen für die elektronischen Sounds, ist seit 2012 wieder an Bord, nachdem er die Band 1988 verlassen hatte. Und Drummer Bernard Trontin, ebenfalls für Elektronisches zuständig, ist seit 1997 Teil der YOUNG GODS. Was mich an der Band live so beeindruckt, sind ihre unglaubliche Dynamik und Lautheit: eine „sonic attack“, durchaus zu vergleichen mit den Namenspaten SWANS oder MOGWAI – sie lassen einen Musik körperlich erleben. Nach „Everybody Knows“ von 2010 war bis zu „Data Mirage Tangram“ (2019) eine lange Albumpause, es folgte „Play Terry Riley In C“ (2022) ... und dann 2023 der Tod von Treichlers Ehefrau Heleen. Ihr hat er den Opener-Song „Appear disappear“ gewidmet, dessen Textzeile „Hold your hand until you disappear“ er mit den Worten kommentiert: „Holding someone’s hand until their last breath.“ Das sowohl auf Französisch wie Englisch betextete Album betört über die Distanz von zehn Song, mit „Blue me away“ und vor allem „Shine that drone“ sind mindestens zwei enorm starke Lieder enthalten, die THE YOUNG GODS im 40. Bandjahr im Hier und Jetzt verankern.

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