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Interviews & Artikel

GET UP KIDS

Ryan Pope, Drummer der GET UP KIDS, konnte es selbst nicht fassen, als er die Menschenschlange vor dem Eingang des bereits hoffnungslos überfüllten Dortmunder FZW sah: "Was wollen die alle hier? Sind die wegen uns gekommen?" "Sieht so aus", antworte ich, und bevor die kleinen Mädchen merken, dass der Bub da an meiner Seite bei ihrer derzeit liebsten Indierock-Boygroup trommelt, sind wir auch schon im Bandbus verschwunden. Da heisst´s dann erstmal (auf-)bauen: er ´ne Tüte, ich mein Interviewequipment, und los geht´s.

Du warst gerade selbst ganz überrascht, wie viele Leute gekommen sind.


"Ja! Und der Laden ist für all die Leute wohl zu klein. Sieht nach einem heissen, engen Konzertabend aus..."

Es ist erstaunlich, wie schnell eure Band gross geworden ist: vor nicht all zu langer Zeit wart ihr eine unter vielen, jetzt sind die Musikmagazine voll von euch und die Videos laufen auf den Musikkanälen.

"Mann, das ist lächerlich, wie das abgeht! Und das ist nicht nur hier so, sondern überall auf der Welt. Das ist cool."

Und was ist das für ein Gefühl?

"Kein besonderes, wie immer halt. Es ist bei uns eine ganz normale, allmähliche Entwicklung. Wir sind seit einer ganze Weile ständig auf Tour, nur sind die Clubs und Hallen immer grösser geworden. Natürlich, manches hat sich auch verändert, aber ich persönlich habe keinen Grund, mich über irgendwas zu beklagen. Ausser vielleicht, dass wir derzeit alle etwas tourmüde sind. Wir vermissen unser Zuhause und unsere Freundinnen, einfach das normale Leben. Wenn wir zurück sind, werden wir uns also erstmal etwas frei nehmen."

Hast du irgend eine Erklärung parat, was der Grund für euren Erfolg ist?

"Hm, schwer zu sagen ... Ich denke, es hat viel damit zu tun, dass wir so viel auf Tour sind und auch mit unserer letzten Platte, damit, dass die auf Vagrant erschienen ist, einem Label, das viel mehr Power hat als Doghouse, wo wir früher waren. Dadurch kam die Platte in so ziemlich alle Plattenläden und stand nicht nur in den kleinen Indie-Läden. Und dadurch, dass wir in Europa auf Epitaph sind, ist die Platte jetzt hier wie dort überall zu bekommen - und das, ohne dass wir auf einem Major sind."

Einen Teil des Erfolges der GET UP KIDS macht meiner Meinung nach aus, dass ihr mit eurem D.I.Y.-Background und dem ständigen Touren eine sehr treue, stabile Fanbasis aufgebaut habt, gleichzeitig aber auch auf professionellen, flächendeckenden Vertrieb und gute Promotion setzt.

"Richtig. Wir arbeiten immer noch auf der D.I.Y.-Punkbasis: mach dein eigenes Ding genau so, wie du es machen willst, kümmere dich einen Scheiss darum, wenn andere rummeckern, und das hat vieles für uns vereinfacht. So mussten wir uns nicht damit auseinandersetzten, dass andere über uns bestimmen und Sachen laufen, auf die wir keine Lust haben. Wir haben eben geschaut, was andere Bands machen, wie sie es machen, und daraus gelernt. Du musst einfach deine Finanzen in Ordnung halten, eine grundlegende Sache, gerade dann, wenn du das ganze Jahr auf Tour bist. Sonst gräbst du dir dein eigenes Grab. Und man muss einfach sehen, dass auch wenn die Kids das vielleicht gerne so hätten, eine Band nicht das ganze Jahr auf Tour sein kann, ohne mit der ganzen Sache auch Geld zu verdienen. Wenn uns dann Leute als Sell-Outs bezeichnen, ist das albern. Wenn du mit vier, fünf, sechs Leuten fast das ganze Jahr auf Tour bist, muss deine Miete und alles andere zuhause eben irgendwie bezahlt werden. Aber hey, ich schreibe doch niemandem vor, was er mit seinem Geld machen soll, warum soll ich mir da was vorschreiben lassen? Manchmal ist es eben frustrierend mit zu bekommen, was die Leute so über einen reden."

Ich will jetzt nicht das aus drei Buchstaben bestehende Wörtchen verwenden, aber diese Szene, wenn es denn überhaupt eine gibt, scheint mir recht empfindlich zu sein, was diesen Sell-Out-Vorwurf anbelangt, und ist auch schnell darin Bands abzuschreiben, wenn sie vermeintlich "zu gross" ist.

"Oh ja ... "Die spielen jetzt vor zu vielen Leuten, ich such mir was anderes" - dieses Geschwätz kenne ich. Ja, das ist lustig. Aber ich bin froh sagen zu können, dass wir grossartige Fans haben, die uns lieben und unterstützen. Klar, eine Minderheit von denen hat ein Problem damit, dass wir jetzt "zu gross" sind, die suchen sich eben eine andere Band, aber das kümmert uns nicht weiter. Ausserdem weiss ich, dass ich mit 14 genauso drauf war: Ich sah BAD RELIGION auf MTV und fand sie plötzlich nicht mehr gut. Naja, diese ganze Sache ist schon recht lustig - die Emo-Szene..."

Du hast das Wort gebraucht, nicht ich.

"Moment! Das war ein Scherz! Emo, das ist das nächste grosse Ding nach Grunge! Nach Ska! Nach Swing! Nach diesem! Nach jenem!"

Genau! Mit Emo ist es wie mit Grunge: du kannst das Wort nicht mehr in den Mund nehmen oder schreiben, ohne dass du dir blöd vorkommst.

"Und die ganzen Bands hassen es - und das war schon so, bevor die Sache gross wurde. Ich meine, wir sehen uns als Rock´n´Roll-Band. Und andersrum: U2 sind "emo", RADIOHEAD sind "emo" - was ist "emo" überhaupt? Ein Witz, der vor langer Zeit entstanden ist."

Aber wer verwendet den Begriff denn, wenn ihn jeder hasst?

"Die Kids! Ehrlich! Ich habe schon mitbekommen, wie sich Leute total über Bands und die Presse aufgeregt haben, wenn die sich abfällig über den Begriff "emo" geäussert haben."

Was hat´s mit REGGIE & THE FULL EFFECT auf sich?

"Das ist eine seltsame Geschichte... Irgendwer hat nachts vor dem Büro von unserem Plattenlabel Vagrant einen Karton mit Tonbändern abgeladen. Wir hörten die an, waren begeistert und so ist die Platte auf Heroes & Villains Records erschienen."

Hm, eine schöne Geschichte. Aber wenn man mal einen Blick auf die Anzeige auf der Rückseite der Ox-Ausgabe #39 wirft, ist da das Cover abgebildet und drunter steht "Das Seitenprojekt der GET UP KIDS".

"Wer hat das geschrieben?"

Äh, ich denke der Vertrieb ...

"Hm, das war nicht so beabsichtigt ... Egal, Hinter REGGIE & THE FULL EFFECT steckt James, unser Keyboarder. Er hat diese Platte ganz im Alleingang aufgenommen, er spielt Drums, Gitarre, Keyboard, singt ... Er hat ´ne Menge Talent, das ist halt sein Baby, an dem er lange gebastelt hat."

Sowohl bei dieser Platte wie auch bei euch oder THE ANNIVERSARY, mit denen ihr auf Tour seid, kann man Einflüsse feststellen, die auf den Wave- und Synthie-Pop aus den frühen Achtzigern stammen. Damals haben das die Punks gehasst, heute ist es wieder cool, sich darauf zu beziehen 000- was sagst du dazu?

"Wir lieben diese ganze Eighties-Musik, Sachen wie NEW ORDER oder DEPECHE MODE, eben dieses Synthesizer-Zeug."

Bis zu welcher Platte findest du DEPECHE MODE gut?

"Also ich finde, dass auch auf ihrem letzten Album noch zwei gute Songs waren. Und die letzte durchweg gute Platte war die mit dem purpurroten Cover, die muss von ´88 oder ´89 sein."

Da fand ich die schon längst nicht mehr gut - meine letzte war die mit "Master & servant" drauf. Aber wie alt bist du eigentlich?

"Ich bin jetzt 21 - ich weiss, ich bin noch sehr jung."

Da hat man natürlich ´ne ganz andere Perspektive...

"Klar, und irgendwie ist es schon witzig, dass wir, die damals noch gar nicht so richtig Musik gehört haben, jetzt auf diese Wave-Pop-Sachen und auf 80´s-Metal stehen. Sicher, wir sind eine andere Generation als diese Leute, die MINOR THREAT noch mitbekommen haben."

Was macht ihr nach der Tour? Ein neues Album?

"Ja, in drei Tagen ist die Tour vorbei, dann haben wir eine Weile frei, gehen im September und Oktober auf US-Tour und werden dann anfangen, am neuen Album zu arbeiten, das wohl im September 2001 erscheinen wird. Wir haben zwar noch kaum an neuen Songs gearbeitet, freuen uns aber schon darauf, mit der Arbeit zu beginnen. Live zu spielen macht Spass, aber im Studio an einer neuen Platte zu arbeiten macht noch mehr Spass."

Ernsthaft? Viele Bands erzählen genau das Gegenteil.

"Ich weiss. In unseren frühen Tagen ging uns das auch so, aber wenn du dich mal daran gewöhnt hast und im Umgang mit der Technik souveräner wirst, macht es zunehmend mehr Spass. Ausserdem ist es ein Unterschied, ob du zweieinhalb Tage Zeit hast - wie wir beim ersten Album - oder zweieinhab Wochen. Wenn du keine Zeit hast, musst du ständig Kompromisse machen, etwa wenn du mit dem Gesang nicht zufrieden bist, aber keine Zeit hast, nochmal neu aufzunehmen."

Andererseits sind viele Punk- und Hardcoreklassiker unter genau solchen Bedingungen entstanden...

"Stimmt schon, und ich weiss auch, dass zu viel Zeit und Geld fürs Studio auch zu Überproduktion führen kann, dass ein Album dann zu glatt und poliert ausfällt. Andererseits stehen wir eben total drauf, wirklich eine Platte zu "machen", und letztendlich ist es immer eine Frage der Herangehensweise."

Spielt denn der Produzent bei euch eine Rolle?

"Nein, wir hassen Produzenten. Produzenten sind lächerlich. Beim letzten Album hatten wir jemanden am Mischpult, und ein Freund von uns, der ebenfalls Toningenieur ist, war mit im Studio und hat eben den einen oder anderen Vorschlag gemacht - etwa in der Art, dass der Song ok ist, aber der Sound noch nicht stimmt. Aber was die Songstrukturen, das Songwriting anbelangt, lassen wir uns von keinem dreinreden. Klar, ein Produzent kann einer Band helfen, wenn die Zusammenarbeit stimmt, aber wir sind eine Band, mit der es schwer ist zusammen zu arbeiten. Ganz schlimm finde ich übrigens Produzenten, die sich so richtig gut vorkommen und denken, sie wären es, die eine Band "machen" oder formen. Die sprechen dann davon, dass sie eine Platte "gemacht" hätten, aber das ist doch Bullshit. Andererseits ist es auch wieder so, dass es Produzenten gibt, die so lange an einer Platte rumfeilen, neue Parts in die Songs reinmischen und Teile von anderen Leuten neu aufnehmen lassen, bis von dem Ausgangsmaterial kaum noch was übrig ist."

Erzähl mal was zu Heroes & Villains, dem bandeigenen Label.

"Das Label ist einfach dazu da, dass wir Bands, die wir entdecken und mögen, selbst unter Vertrag nehmen und ihre Platten veröffentlichen können. Es ist eine Kooperation mit unserem eigentlichen Label Vagrant Records, was bedeutet, dass sie sich ums Alltagsgeschäft des Labels kümmern. Wir vertrauen ihnen völlig, und da wir so viel auf Tour sind, hätten wir auch gar nicht die Zeit, uns richtig um das Label zu kümmern."

Was kommt da in nächster Zeit raus?

"Eine Platte von dieser coolen Band KOUFAX: die machen eine Mischung aus STEREOLAB und klassischem Sixties- und Seventies-Rock und kleiden das in tolle Popsongs. Ein paar andere Sachen sind in Planung, aber da ist noch nichts spruchreif. Das heisst doch, Matt, unser Sänger und Gitarrist, hat eine Solo-Platte gemacht, die demnächst rauskommt."

Eure nächste Platte kommt auch wieder auf Vagrant?

"Ja, wir sind zufrieden und glücklich, uns auf dem Independent-Level zu bewegen. Das Ding ist, du hast heute im Gegensatz zu früher keine Nachteile mehr, wenn du bei einem Indie bist, weil die ihren Vertrieb und auch sonst alles gut organisiert haben. Ausserdem werden die Bands auf Indie-Labels meist besser behandelt."

Habt ihr eigentlich Groupies?

"Blöde Mädels gibt´s überall: die rennen dir hinterher, labern irgendwelchen Blödsinn und nerven. Nee, sorry, wir stehen da nicht drauf, wir haben alle eine feste Freundin."

Sind die nicht höllisch eifersüchtig, so wie das bei euch derzeit läuft?

"Das kommt schon vor, aber das ist alles eine Frage des Vertrauens. Und ehrlich gesagt habe ich alle meine Freundinnen vor der jetzigen auch betrogen - auf Tour natürlich. Aber das ist ein ganz anderes Thema ..."

Danke.

Joachim Hiller

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #40 (September/Oktober/November 2000)

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CJ RAMONE

CJ Ramone, Jahrgang 1965, heißt eigentlich Christopher Joseph Ward. Er war von 1989 bis 1996, also bis zum Schluss, Bassist der RAMONES und Nachfolger von Dee Dee. Er ist zu hören auf den Alben „Mondo Bizarro“ (1992), „Acid Eaters“ (1994) und ... mehr