Interviews & Artikel : JABBERWOCKY :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

JABBERWOCKY

Bereits seit geraumer Zeit beglücken unsere favorisierten Windmill-Wombats eine ausgesuchte globale Hörerschaft mit durchweg erlesenen Klangprodukten. Besondere Beifallsstürme löste im Hause Ox der Wooden Shoe-Stomper "Sexy love job" aus, JABBERWOCKYs Beitrag zur "Weird, Waxed & Wired!"-Compilation, einem auf bewundernswerte Weise altruistischen Werk finanzieller Selbstzerfleischung. Noch größere Beifallsstürme wären zweifelsohne in Order gewesen, wenn besagter Song letztendlich auch auf nämlicher Compilation gelandet wäre, aber, nun ja, shit happens! Dafür haben wir jetzt halt ,nen anderen duften Song auf der Compilation. Es tut mir nur leid, daß Helen jetzt als Einzelkind aufwachsen wird und der Tom in Zukunft nicht mehr ganz so vehement durch die Wohnung fegen wird... aber der Verantwortlich musste nun mal für seinen Fauxpas büssen. Mal gucken, was Edwin Timmers, Gitarrist und Sprachrohr von JABBERWOCKY dazu sagt. Have a gouda day!

Hey, zuerstmal sorry wegen des kleinen Mißgeschicks, das uns bei der Compilation passiert ist.

Na ja, wenn euch der andere Song gefällt, dann geht das schon in Ordnung.

Deswegen trifft es sich ganz prima, daß ihr Jungs ausschließlich Hits schreibt, auch wenn mir "Sexy love job" wirklich verdammt gut gefallen hat. Was wird jetzt aus dem Song? Kommt der auf euer nächstes Album?

Wahrscheinlich, aber zuerstmal suchen wir noch ein Label, das die CD-Version des Albums herausbringt.

Bedeutet das, die Vinylversion wird wieder auf Incognito erscheinen?

Hoffentlich, aber das wird wohl noch bis Oktober dauern. Jedenfalls haben wir 16 neue Songs zusammen.

Wie lief das denn bei "Finger Poppin' Time"? Gab es da auch eine CD-Version?

Ja, die haben wir selber herausgebracht. Das war ein ziemlich teurer Spaß. Von den 500 CDs, die wir haben pressen lassen, sind noch 200 übrig. In Holland ist es sehr schwer, einen Vertrieb zu finden, wenn man mal von De Konkurrent und Clearspot absieht.

Ich kann das echt nicht glauben, daß es für eine Band wie euch, die ja nun schon einige Zeit dabei ist und eigentlich durchweg gute Kritiken bekommen hat, ein Problem ist, ihre Aufnahmen an den Mann zu bringen.

Das eigentliche Problem sind ja nur die CDs, das Vinyl verkauft sich viel besser.

Das hört man ja jetzt von allen Seiten, daß die Leute, die auf diese Art von Musik stehen, mittlerweile fast ausschließlich Vinyl kaufen. Wäre ja auch erschreckend, wenn es andersherum wäre. Inwieweit hilft einem da eigentlich so ein MRR-Interview?

Allzuviel hat sich danach auch nicht geändert, aber wo du das MRR-Interview gerade ansprichst: Damals habe ich als frühe Einflüsse die Namen PINK FLOYD und U 2 fallengelassen. Ich hielt es damals für eine gute Idee, die Leute zu schocken, indem ich einfach die Wahrheit erzählte. Niemand beginnt mit zwölf Jahren Punk Rock zu hören.

Stimmt, ging mir genauso. Mit zwölf Jahren ist man einfach moralisch verpflichtet, richtig schlechte Rockplatten zu hören. Ich würde sagen, hierzulande ist es normal, mit 14 oder 15 Jahren mit dem Punk-Kram anzufangen. In den USA, insbesondere in der Bay Area, mag das etwas anders sein. Es ist ja auch nicht so, daß man in eine Punkrock-Familie hineingeboren würde. Bei 99% der Punks dürfte es wohl so sein, daß die Eltern Volksmusik oder Perry Como gehört haben.

Genau, ich habe für mich erst vor kurzem wieder AC/DC entdeckt, insbesondere die Bon Scott-Ära.

Alright! "Kicked in the teeth".

Meine Favoriten waren ja immer "Let there be rock" und "Whole lotta Rosie", auch wenn viele Leute behaupten, Bands wie AC/DC hätten den Rock'n'Roll abgefuckt.

Australiern kann man auch irgendwie nicht böse sein. Das sind halt bierdosenfrühstückende Delinquenten, die in England rausgeflogen sind, also können die geschmacklich ja gar nicht so weit daneben liegen.

Es gibt ja auch nichts Dämlicheres, als seine frühen Vorlieben zu leugnen. Mit zwölf habe ich nunmal viel Pop-Radio gehört, wieso sollte ich nicht dazu stehen?

Eben! Die "Ich hab Jerry Roslie die Songstruktur zu "Strychnine" beigebracht, als ich ihm 1963 an dieser Tankstelle in Tacoma ein Bier gekauft habe. Doch! Ehrlich!"-Fraktion kann man nicht ganz ernst nehmen. Kann es eigentlich sein, daß Holland den anderen europäischen Staaten in Sachen Punkrock etwas hinterherhinkt? In Spanien, Frankreich und Deutschland findet man mittlerweile haufenweise wirklich gute Bands, aber bei euch tut sich nach dem Split der STIPJES außer JABBERWOCKY und den WIMPS nicht allzuviel.

Das wird sich aber bald ändern. Seit dem letzten Jahr gibt es hier im Garage-Punk-Bereich eine ganze Reihe jüngerer Bands, aber die meisten von denen haben bisher noch nichts veröffentlicht. Trotzdem ist Punkrock in Frankreich und Deutschland sehr viel populärer als hier.

Du hast gesagt, es sei schwierig, in Holland regelmäßige Auftrittsmöglichkeiten zu bekommen. Wenn man an Clubs wie "Pit's", "Vera" und die "Glass Factory" denkt, die auch über die Grenzen hinaus bekannt sind, ist das ziemlich erstaunlich.

Das liegt daran, daß sich die Clubszene, die hierzulande existiert und vom Staat subventioniert wird, größtenteils auf House-Music beschränkt.

Aber in Deutschland seid ihr auch noch nicht so oft aufgetaucht.

Viermal bisher, aber das hat jedesmal riesig Spaß gemacht. Letzten Monat im Mono z.B. oder im Jahr davor im Gleis 22 in Münster. Da sind wir zum ersten Mal eine größere Anzahl Platten losgeworden.

Edwin, du machst auch eine Radio-Show Was legst du denn da so alles auf?

Rock'n'Roll, Rhythm and Blues, Soul, Gospel, größtenteils Compilations von Labels wie Kent und Ace oder Sampler wie "Stompin'", "Desperate Rock'n'Roll", "Pow City!" und "All Night Soul Stomp!

Suave shit kurzum!

Was ich an dieser Art von Musik liebe, ist, daß sie zwei Gesichter hat. Einerseits besitzt Rock'n'roll diese "pureness", und auf der anderen Seite ist er wild und diabolisch. Das fällt mir immer wieder auf, wenn ich z.B. jemanden wie WILSON PICKETT höre.

Oh ja! "Gimme some juice, turn me loose, lemme get wild like a long-necked goose!" Für dich hat Punkrock also nicht erst mit '77 begonnen?

Ich hab' mich zum ersten Mal mit englischem '77-Punk beschäftigt, als JABBERWOCKY bereits drei Jahre existierten. Bei mir hat das alles eher mit Bands wie den HEADCOATS, MUDHONEY und 9 POUND HAMMER angefangen.

Na, das ist doch mal ein solides Fundament! Normalerweise läuft es ja eher anders herum. Ok, laß uns mal die Anfänge der Band etwas beleuchten. Zuerst kam die "The girl is leaving town"-EP, dann "The king's new clothes", gefolgt von der Incognito-EP. Wie seid ihr damals auf Barny gekommen?

Ich hab' seine Anzeige im MRR gesehen und ihn gefragt, ob er uns von unserer selbstveröffentlichten zweiten 7" ein paar Exemplare abnehmen könnte. Er hat dann 50 Stück genommen und obendrein noch die "We're just Bom Bom Boys"-EP mit uns gemacht.

Und mittlerweile scheint Incognito labelmäßig die erste Anlaufstelle für euch zu sein.

Stimmt, deswegen werden wir dort auch im Juni die WIMPS-LP veröffentlichen.

Worin besteht für dich der Unterschied zwischen JABBERWOCKY und den WIMPS?

Die WIMPS sind etwas langsamer und rocklastiger als JABBERWOCKY. Der jetzige Bassist der WIMPS hatte damals JABBERWOCKY gesehen, und obwohl ich damals sehr wenig Zeit hatte, hat er mich solange bequatscht, bis ich einverstanden war, eine zweite Band zu gründen. Ein Freund von ihm ist dann als Sänger eingestiegen, obwohl er eigentlich nicht richtig singen kann, was aber nicht besonders schlimm ist, da wir alle keine begnadeten Musiker sind.

Wenn ich an JABBERWOCKY denke, wird sich aber gerade der Sänger der WIMPS ziemlich ins Zeug legen müssen. Ich finde nämlich, daß sich gerade Michels Gesang und eure Musik sehr gut ergänzen, insbesondere wenn er die höheren Register zieht und sich seine Stimme beinahe überschlägt.

Manchmal habe ich den Eindruck, das JABBERWOCKYs Musik aufgrund des Gesangs etwas nervös und hektisch wirkt.

Aber gerade bei einem Song wie "Bad mood" paßt das sehr gut. Was kann es Schöneres geben, als zu einem Song, der musikalisch eher "upbeat" ist, eine Songzeile wie "I'm in a bad mood" zu grölen?

Wenn Michel bei "Feels like I'm back in school again" diesen Sprung von ganz hoch nach ganz tief macht, hört er sich beinahe an wie ein junger Glenn Danzig. Bei "Bottles on my track" ist das ähnlich.

Stimmt es eigentlich, daß Baby Doll Records, das amerikanische Label, das die "Drunk On The Highway"-EP veröffentlicht hat, extra für euch gegründet wurde?

Das stimmt. Die hatten damals unsere zweite EP gehört und wollten danach unbedingt etwas mit uns machen. Weil die genau dieselbe Soundqualität wie auf der "King's New Clothes" haben wollten, haben wir die Songs dann auf einem Walkman in unserem Proberaum aufgenommen. Ein DAT wollten die auch nicht von uns haben, so daß wir ihnen einfach die Kassette geschickt haben.

Wenn ich mir eure Songs so anhöre, dann scheint es da ziemlich häufig um Beziehungskisten zu gehen.

Ich finde diese ganzen kleinen Probleme, mit denen die Menschen um mich herum sich jeden Tag zu beschäftigen haben, nunmal sehr inspirierend. Das Drama einer Beziehung liefert genug Material, um Songs zu schreiben.

Ich finde es beeindruckend, daß ihr bei all den Platten, die ihr bisher veröffentlicht habt, nur einen Song von JOHNNY POWERS gecovert und ansonsten ausschließlich Originale abgeliefert habt. Sowas ist heutzutage eher untypisch, insbesondere wenn man jedesmal LPs mit mindestens 16 Songs veröffentlicht.

Wenn ich einen guten Song höre, dann sehe ich das eher als Ansporn an, etwas eigenes, ähnlich Gutes zu schaffen. Als ich z.B. "Bad man" von den OBLIVIANS gehört habe, war ich von dem Song unheimlich beeindruckt und habe danach versucht, vom Gefühl her etwas Vergleichbares hinzubekommen, ohne den Song 1:1 zu kopieren.

Wenn einem ein Song so gut gefällt, dann dürfte es ohnehin schwierig sein, diesen noch zu verbessern. Dann bist du wahrscheinlich genauso deprimiert wie ich, daß sich die OBLIVIANS aufgelöst haben.

Absolut, das letzte Album war einfach wundervoll, ein absoluter Klassiker. Deren Version von "Mary Lou" ist wahrscheinlich der einzige Song, der mir als Cover besser gefällt als im Original.

Stimmt, die haben aus der YOUNG JESSIE-Nummer einfach einen eigenen Song kreiert, und der swingt ohne Ende! Auch wenn viele sagen, deren Alben böten dreimal denselben typischen Crypt-Sound, finde ich, daß die Dinger unterschiedlicher nicht sein könnten. Die Typen hatten einfach alles, Rock'n'Roll, R & B, Soul, Blues, Punk.

Ich hab' gehört, daß die OBLIVIANS für "Popular Favorites" "Bad Girl" von LARRY WILLIAMS aufgenommen hatten und Tim Warren den Song nicht auf der Platte haben wollte, woraufhin sie "You better behave" eingespielt haben, ein Song, der über sehr viel LARRY WILLIAMS-Feel verfügt. Ich denke, das ist, was Songwriting angeht, der richtige Ansatz. Außerdem gibt es gegenwärtig keinen besseren Sänger als Greg Oblivian.

Ich fand es sehr lustig als du mir erzählt hast, du empfändest Deutsch als eine Sprache, die sehr sexy sei, z.B. ein Wort wie "spazieren".

Absolut. Wenn eine Frau Wörter ihrer Muttersprache in einer gewissen Art und Weise ausspricht, dann kann das sehr sexy sein, z.B. wenn eine deutsche Frau Worte wie "sie" oder "schwarz" benutzt.

Unglaublich! Ok, ich spreche schon mein Leben lang Deutsch, also würde mir so etwas wahrscheinlich nie auffallen, aber ich war immer der Meinung, Deutsch sei so ziemlich die unrythmischste und asexuellste Sprache auf Erden, von Arabisch vielleicht mal abgesehen.

Das ist wie mit dem Song "Sophisticated Woman". Eine solche Frau hat für einen Mann etwas unnahbares, aber wenn er sie dann für sich gewinnen kann, dann ist das für ihn ein besonderer Triumph. Genauso ist es mit der deutschen Sprache, die gerade aufgrund ihrer harten Phonetik einen gewissen Reiz ausübt.

Wie kriegst du das eigentlich zeitlich alles unter einen Hut? Du bist verheiratet, hast zwei Kinder, einen Job, zwei Bands, eine Radioshow...

Das ist wirklich nicht ganz einfach. Letztes Jahr, als sich für JABBERWOCKY kaum Auftrittsmöglichkeiten boten, hätten wir uns beinahe aufgelöst, weil die Motivation einfach nachließ.

Das wäre aber keine gute Idee. Was mir an JABBERWOCKY nämlich besonders gut gefällt, ist dieser ansteckende Enthusiasmus, den man insbesondere dir anmerkt, wenn du live auftrittst.

Wenn du in einer Band spielst, dann solltest du zumindest versuchen, dem Publikum eine gute Show zu bieten.

Das ist ja auch das Schöne am Rock'n'Roll, daß er deinen Hintern zum Wackeln bringt und dich in eine gute Stimmung versetzt. Danke

Norbert Johannknecht

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #31 (II 1998)

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