Interviews & Artikel : Audiolith Records :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

Audiolith Records

Von unpolitischem Oi! zu germanophobem Elektropop

Da muss ich mir von Joachim, der alten Wave-Tucke, doch tatsächlich anhören, dass ich meinen Musikgeschmack öfter wechsle als meine Unterhosen und inzwischen ja nur noch schlechten deutschen Dancefloor hören würde. Fakt ist, dass ich früher meinen Musikgeschmack änderte und verbohrt war, während ich heute einfach meinen Horizont erweitere und Musik aussortiert wird, die ich für schlecht erachte. Wäre das nicht so, hätte ich das Label Audiolith Records niemals kennen gelernt. Besitzer Lars Lewerenz startete seine Karriere in diversen Punkbands und bringt jetzt Platten mit Pop- und elektronischer Musik heraus, die mich immer wieder begeistern. Ein Grund, euch den 1977 in Henstedt-Ulzburg geborenen und nun in Hamburg-Bahrenfeld ansässigen Labelbetreiber mal vorzustellen und ihn über Vergangenheit und Zukunft auszuquetschen.

Du hast in den Neunzigern bei einigen Punk- und Hardcore-Bands gespielt. Welche waren das genau?


Mein Vater hat mir eine E-Gitarre gekauft, da ich mich geweigert habe, an der verlogenen Veranstaltung namens Konfirmationsunterricht teilzunehmen. Mein Vater, selbst in diversen Rockbands an der Gitarre tätig gewesen, fand das gut und schenkte mir eine rote Yamaha und ein paar Unterrichtsstunden bei einem alkoholabhängigen Gitarrenlehrer, der mir eher Bossanova beibringen wollte, mir aber auch die ersten Powerchords zeigte. Der dicke Verstärker war auch schnell am Start und die erste Band fing im Juz Bad Bramstedt an zu proben. Hier chronologisch die Bands in denen ich gespielt habe: SMEGMA, MARKER X SYNDROME, HUMAN STENCH BOMB, LINSAY, KINDLE, FUCK YOU - in den USA mit Steve Aoki.


Direkt mal zu SMEGMA, da gab es mal die Nachricht, dass ihr bei einem Konzert "Immer in die Eier" von ENDSTUFE gecovert hättet, was vielen Leuten natürlich übelst aufgestoßen ist. Das ist natürlich lange her, aber was war denn wahr daran?

Das ist nicht nur einigen Leuten übel aufgestoßen. Es gab direkt eine Schlägerei, an der auch Freunde von uns beteiligt waren. Das Konzert fand 1992 in Wattenscheid im Bahnhof mit einer befreundeten Punkband namens LA CRY statt. ENDSTUFE zu covern war schon damals nicht das Taktvollste und das wussten wir auch; ich war 15, wir waren naiv und wir wollten provozieren. Das ist uns gelungen und hallt bis heute nach. Allerdings möchte ich hier feststellen, dass es ein spontaner, alkoholisierter Einfall war, der einfach das betrunkene Gegröle von Konzertbesuchern aufgriff. Versuche, SMEGMA damit in die rechte Ecke zu drängen, entbehrten jeglicher Grundlage. Viel bemerkenswerter als diese pubertäre Episode finde ich, dass sich 15 Jahre später Leute an die Band SMEGMA erinnern und ich nach einem CLICKCLICKDECKER-Konzert mit einem 15-jährigem Skinhead ins Gespräch kommen kann, der mir aus dem Stehgreif: "Oi! Oi! Skinhead wir halten zusammen. Oi! Oi! Punk Politik macht uns krank" vorsingt. Für alle, die SMEGMA nicht kennen: Checkt die Singles: "Gewalt, Hass und Wut", "Discoqueen" und das Album "Schrammel Oi!" auf Scumfuck aus. Das ist der "Skins & Punks united"-Soundtrack der Neunziger!


Wann kam denn der Punkt, an dem Punk für dich musikalisch nicht mehr so interessant war?

Ich bin mit Punk sozialisiert worden und hab mich auch nie vom Punk abgewendet. Es gibt keinen Einschnitt, an dem mein Interesse gewichen ist. Meine generelle Neugier auf Musik hat dann Punkmusik überlagert und ich hab angefangen, mich für Hardcore und so weiter zu interessieren. Heute höre ich wahnsinnig gerne elektronische Musik wie zum Beispiel Drum'n'Bass. Ich mag immer noch gerne Punk, solange er nicht andere Einflüsse aussperrt. Jede Musikrichtung hat ihre spezielle Energie, die ich mal mehr, mal weniger aufsauge.


Stelle mal deine Lieblingsacts deines Labels vor und welche könnten denn auch verbitterten Alt-Punkern zusagen?

Lieblingsacts gibt es bei mir nicht. Ich find alles geil! THE DANCE INC., JURI GAGARIN, DOS STILETTOS, INNAWAY, Plemo, FIRESTARTER, RÄUBERHÖHLE, EGOTRONIC, AOSUKE, Miki Mikron, SAALSCHUTZ, CLICKCLICKDECKER, BRATZE, DER TANTE RENATE. Haut mich was um, bring ich es raus. Das ist mein Leid, aber auch mein Vorteil. Ich stehe hinter dem Sound und den Leuten, die ich meine Freunde schimpfe. Jeder Act ist in seinem Dasein einzigartig. Vergleichen kann man den einem nicht mit dem anderen. Vielleicht mag es sich für verbitterte Alt-Punker alles gleich anhören, da kann ich nur in SAALSCHUTZens Worte sagen: "Das ist nicht mein Problem!" Muss aber feststellen, dass ich in letzter Zeit viele Leute, die schon lange im Punk-Business sind, treffe und die sich für den elektronischen Sound der Audiolith-Bands interessieren.


Du veröffentlichst ja auf Vinyl, CD und neuerdings auch e-Singles, das heißt, du verkaufst ZIP-Ordner mit mp3s, die es in keinem anderen Format gibt. Wie kam es zu letztem Schritt, ist das als Joke und technische Spielerei gedacht oder siehst du für dich darin das Medium der Zukunft?

Solange Menschen Vinyl und CDs kaufen werden, werde ich diese Formate in Zusammenarbeit mit den Künstlern und Bands herstellen. Das Album als Endprodukt mit Cover, Texten und so weiter in jeglicher Ausführung wird immer für Menschen attraktiv bleiben. Daran glaube ich fest, aber es wäre ein Todesurteil für jedes Label und Künstler, sich die Technik nicht zunutze zu machen. Ich meine, wie geil ist das, wenn Leute aus Japan oder sonst woher die mp3s ziehen können und auf den Sound flashen können? Audiolith Records ist kein multinationaler Konzern, der global den psychischen Tonträger anbietet. Audiolith Records funktioniert in einem Netzwerk, das sich stetig vergrößert, somit ist mein Medium der Zukunft das Label, und die Menschen.


Manche Leute würden deine Bands teilweise als "trashig" bezeichnen, da viel Humor dabei ist und mit Klischees gespielt wird. Siehst du das genauso?

Humor und Trash ist natürlich Teil der Musik und der Bands. Jeder Konzertbesucher sieht das Endergebnis eines mitunter langen Arbeitsprozesses. Sich als Konsument vor die Bühne zu stellen und darüber zu richten, ist eine denkbar komfortable Position. Für mich ist offensichtlich, dass hinter manchem Track und dem Bühnenprozess viel Auseinandersetzung mit der Musik und dem eigenen Schaffen verborgen liegt. Wenn das dem Zuschauer Spaß macht, was das Feedback des Publikums immer wieder beweist; umso besser. Jeder könnte ein schwarzes Quadrat malen, aber nur einer hat es getan. So ist jeder Audiolith-Künstler manchmal trashig und manchmal klischeehaft, aber auf jeden Fall einzigartig und Meister seines selbst geschaffenen Faches. Die Frage, die sich für mich stellt: Wer macht überhaupt diese Zuschreibungen? Ich persönlich bin eher gelangweilt von diesem Rockstarmuckerscheiss, den einige Bands da draußen abziehen.


Inwiefern kannst du dich immer mit der politischen Meinung deiner Künstler identifizieren? EGOTRONIC zum Beispiel werden aufgrund ihrer anti-deutschen Gesinnung nicht überall positiv angenommen und sorgten für Diskussionen und Gig-Absagen.

Es gibt keinen Konformitätszwang politischer Art innerhalb des Labels. Es gibt sicherlich Meinungen, die ich nicht akzeptieren werde und die zur Aufgabe der Zusammenarbeit führen würden. Ich sehe aber bei keinem meiner Künstler die Gefahr, dass er in solche Sphären abgleitet, und das, was einige als anti-deutsche Gesinnung auffassen, halte ich für eine notwendige, kritische Auseinandersetzung mit der Welt, deren Form mich als Labelmacher nichts angeht.


Du bist ja bei CLICKCLICKDECKER der Live-Bassist. Du bist also nicht der Knöpfchenschrauber geworden, sondern immer noch bei analogen Sounds geblieben. Warum?

Ich so zu Kevin: "Wenn du mal einen Bassisten für deine Live-Band brauchst, lass es mich wissen. Ich wäre gerne dabei". Er war einfach so cool und hat mich in die Band geholt. So einfach ist das. Hat nichts damit zu tun, dass ich unbedingt analog Musik machen wollte. Ich hab mit meiner Groovebox einen Track für die Stallone-Compilation von Cobretti Enterprises geschraubt. Ich finde es wahnsinnig interessant, was auf digitaler Ebene möglich ist, und ehrlich gesagt, ist es mir egal, ob Musik nun analog oder digital hergestellt wurde. Hauptsache, es berührt mich auf irgendeine Art und Weise.


Was beeinflusst dich heutzutage in deinem kreativen Output, welche unbekannten Projekte und Künstler möchtest du uns noch ans Herz legen?

Je mehr ich in diesen Veröffentlichungsdschungel eindringe, desto mehr fange ich an zu verstehen, wie der Apparat funktioniert, desto mehr inspiriert mich die absurde Produktplatzierung der Majorfirmen. Ich lerne aus Fehlern, die ich selbst oder andere gemacht haben. Der Austausch mit den Menschen, die mich umgeben, ist ein ausschlaggebender Punkt, um die Zukunft zu gestalten. Am Anfang hab ich Platten gepresst und bei Eintreffen des Materials war Veröffentlichungstermin. Heute bedingen meine Situation und die der Bands, dass wir mehr denn je an einem Strang ziehen müssen, versuchen, bestmöglich zu koordinieren, um auf allen Ebenen am Start zu sein. Audiolith veröffentlicht im Frühjahr drei Alben von Künstlern, die von Anfang an dabei sind. Plemo hat im März mit seinem zweitem Album "Exzess Express" ein abwechslungsreiches ElektroPopRave-Album abgeliefert. DER TANTE RENATE kam mit dem Zweitwerk "Simplex" im April auf dem Rave-Olymp geritten. Die Band um Jan Elbeshausen, THE DANCE INC., die musikalische Initialzündung für Audiolith Records, kommt im Mai mit ihrem Debütalbum "Legs And Arms" raus. Diese drei Alben sind jeden Menschen, der von sich sagt, er mag Musik, von meiner Seite aus an Herz und Ohr gelegt. Und für den Herbst sind neue Albumveröffentlichungen von EGOTRONIC und BRATZE geplant.


Timbo Jones

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #72 (Juni/Juli 2007)

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TV SMITH

TV SMITH war einer der Stars der Londoner Punk-Szene und Frontmann der legendären Punkrock-Band THE ADVERTS. Heute zählt er zu den wichtigsten politischen Songwritern seines Landes. Im Jahr spielt er allein über 130 Konzerte. Es ist wirklich nicht ... mehr