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Interviews & Artikel

AND ALSO THE TREES

Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah

Es war in den frühen 80er Jahren, als John Peel AND ALSO THE TREES (AATT) als „too English for the English“ bezeichnete, vielleicht auch ein Grund, weshalb Gründungsmitglied und Sänger Simon Huw Jones seit einiger Zeit in Genf in der Schweiz lebt. Von dort steuert er nicht nur AATT, sondern pflegt auch mit dem THE YOUNG GODS-Drummer Bernhard Troutin ein Nebenprojekt. AATT wurden schon früh mit THE CURE in Verbindung gebracht (Anfang der 80er Jahre waren AATT zweimal mit THE CURE auf Tour) und Robert Smith erzählte immer wieder, dass AATT seine Lieblingsband sei, was letztlich dazu führte, dass Smith und der THE CURE-Keyboarder Lawrence Tolhurst einige der frühen Veröffentlichungen von AATT produzierten.

Das ist alles lange her und der gegenwärtige Sound der Band ist weitaus mondäner, reifer und mit mehr „Industrial White Man’s Blues“-Charme versehen als in den frühen Jahren. Heute leben die Bandmitglieder in Worcestershire, Genf und East London. Das mag sicher auch eine Ursache dafür sein, dass seit ihrem letzten regulären Studioalbum, dem sehr introspektiven Album „Further From The Truth“ (2003), einige Zeit vergangen ist. Im November letzten Jahres ist nun ihr zehntes Album „(Listen For) The Rag And Bone Man“ erschienen. Die Selbsteinschätzung der Band zum neuen Sound lässt gleich entscheidende und signifikante Reminiszenzen zu Tage treten: „A dreamlike journey through dark landscapes populated by stray nursery rhyme characters, mysterious women who peer into psyche and pools of light that appear like reflections of their pastoral upbringing ... touched by the likes of Scott Walker, Tom Waits and CALEXICO.“ Dennoch - und wirklich positiv - man hört dem neuen Album die Rückbesinnung auf vergangene große Momente und Alben wie „Virus Meadow“ (1986) und „The Klaxon“ (1993) an. Das neue Album wurde im Herbst 2007 im Rahmen einiger weniger AATT-Konzerte dem deutschen Publikum vorgestellt. Unterstützt wurde die Band dabei von Emer Brizzola, die unter anderem Keyboards spielte.

Seit der letzten regulären AATT Veröffentlichung „Further From The Truth“ (2003) ist etwas Zeit vergangen, sieht man von der sehr gelungenen Werkschau „Best Of 1980 - 2005“ und deinem Projekt mit Bernhard Troutin von THE YOUNG GODS einmal ab. Was hat sich seither getan?

Normalerweise dauert es bei uns immer etwas länger, bis wir Songs zu Ende geschrieben haben. Hinzu kam diesmal, dass nach dem letzten Album unser Bassist Steven Barrows mit seiner Familie in die USA ausgewandert ist, was naturgemäß den Entwicklungsprozess eines neuen Albums hemmte. Ian Jankins hat seinen Part übernommen und während der ersten Probeaufnahmen mit Justin und Paul war sehr schnell klar, dass sein kreativer Input ein wichtiger Impuls sein wird. Ein sicherlich wichtiger Wendepunkt waren Ians Experimente mit dem Kontrabass. Wir empfanden diesen neuen und warmen Sound als sehr inspirierend. Dann geschah alles wie in einem Fluss und aus einem Guss, aber gute Songs brauchen ihre Zeit.

Wenn man sich das Gesamtwerk von AATT anschaut, gab es immer einen sehr signifikanten Einfluss von Literatur, Malerei oder Poesie, wie die des Dichters William Cowper oder der Malerei des 19. Jahrhunderts. Was hat dich beim neuen Album besonders beeinflusst? Euer Album „Further From The Truth“ hätte beispielsweise mit seinem mondänen Gesamtbild ein Filmsoundtrack für F. Scott Fitzgeralds „The Great Gatsby“ werden können.

Ich denke, alles, was wir im alltäglichen Leben wahrnehmen, lesen und hören, beeinflusst uns auf die eine oder andere Art und Weise - einige Dinge inspirieren uns kreativ zu sein, andere lassen wir außen vor. Gegenwärtig lese ich viel von Haruki Murakami, einem japanischen Schriftsteller, der Bücher wie „Kafka On The Shore“ und „Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah“ geschrieben hat. Ich schätze ihn sehr. Zum einen, weil er sehr unterhaltsam ist, zum anderen, weil er einen sehr prägnanten und klaren Stil kultiviert hat, den ich in meine Lyrics einfließen lassen wollte. Ich kann noch nicht endgültig sagen, ob es mir gelungen ist, aber ich hoffe es. Wir sind mit unserem aktuellen Sound auch wieder enger an unseren älteren Sachen. In Bezug auf meine Texte empfand ich es teilweise so, also ob ich wieder vertraute Orte aus der Vergangenheit besuchte. Ich war zunächst skeptisch, weil ich mir dachte, ich wiederhole mich, empfand es aber dann als einen durchaus natürlichen Prozess. Das, was du als „mondän“ oder „glamourös“ beschreibst, ist vielleicht auch ein gutes Gegengewicht zu einer Tendenz in der Rockmusik in Hinblick auf exzessiven Alkoholkonsum etwa oder völlig übertriebene Härte und eine sehr reduzierte Vorstellung von menschlichen Beziehungen und was sie ausmacht.

Mein Eindruck ist, dass man sich als Musiker stets weiterentwickelt, wie gegenwärtig Nick Cave mit seinem Projekt GRINDERMAN und dessen Fokussierung auf den puristischen Blues im Geiste von John Lee Hooker und Memphis Slim, und ab einem bestimmten Alter Blues und Jazz eine dominantere Rolle spielen. Würdest du sagen, dass dies auch für AATT gilt?

Ich verstehe, worauf du hinaus willst. Ich denke aber, dass dies für uns so nicht gilt. Von an Beginn war Jazz immer ein mehr oder weniger unterschwelliger Einfluss und zwar seit dem ersten Album. Wir haben das aber immer etwas durch die Lyrics und das gesamte musikalische Arrangement nivelliert. Der Song "Rive droit" vom neuen Album beginnt mit einem sehr Jazz-inspirierten Rhythmussektion aus Standbass und Schlagzeug, aber im Laufe des Songs dreht sich durch den Einfluss von Gitarre und Gesang dieses Bild: weg vom Jazz in eine eher klassische oder romantische Richtung, wenn man so will. Musiker wie Tom Waits und Nick Cave passen natürlich perfekt in diese von Jazz und Blues dominierte Welt und sind dort zu Hause. Auch wir wollen diesen Einfluss ja nicht ausblenden.

David Sylvian ist für mich auch ein weiterer großartiger Künstler, der Musik, Poesie und Malerei/Kunst perfekt miteinander verbindet. Ich denke da zum Beispiel an sein multimediales Installationsprojekt „Ember Glance: The Permanence Of Memory“ mit Russell Mills und Ian Walton zu Beginn der 90er Jahre. Ab und an sehe ich Parallelen zu AATT. Bist du auch an derartige Kollaboration interessiert, wie es Sylvian beispielsweise mit BLONDE REDHEAD gemacht hat?

Ich denke auch, dass David Sylvian ein großartiger Künstler ist, aber eine wirklichen Verbindung zu uns kann ich nicht sehen. In Bezug auf Kollaborationen könnte ich mir beispielsweise Stina Nordenstam vorstellen, die anstatt meiner singt und die Texte schreibt. Gleiches könnte ich mir bei einer schwarzen Sängerin vorstellen. Ich denke, eines Tages sollten wir auch einmal einen Soundtrack zu einem Film schreiben. Ich könnte mir einen Plot vorstellen, der sich mit der Spannung einer Großstadt beschäftigt oder sogar Musik für einen Science Fiction-Film zu schreiben. Was mich selbst anbelangt, werde ich wohl weiter mit Bernhard Troutin arbeiten, wenn es um Projekte neben AATT geht. Ansonsten kann ich mir nicht wirklich vorstellen etwas anderes zum machen als mit unserer Band.

In Berlin habt ihr mit den GOLDEN APES gespielt - irgendwie vom Sound her ein Hybrid aus THE CURE und den SISTERS OF MERCY -, die ja tendenziell aus dem Gothic-Bereich stammen. Im Grunde genommen auch eine Schublade, die euch seit jeher begleitet. „Belastet“ euch diese Kategorisierung?

Zunächst einmal gefallen mir die GOLDEN APES ganz gut. Was dieses Gothic-Ding anbelangt, welches uns die gesamte Bandgeschichte begleitet hat, ist es nicht anders als mit Bands wie THE YOUNG GODS, den TINDERSTICKS, DEPECHE MODE oder auch Nick Cave, denn tatsächlich denke ich, dass wir nicht mehr oder weniger Gothic sind als eben diese genannten Bands. Was uns eher "belastet", ist der Umstand, dass wir nicht den Bekanntheitsstatus dieser Bands erlangt und nicht ihre Aufmerksamkeit und Präsenz in der Musikpresse erfahren haben, um die Dinge etwas in das rechte Verhältnis zu setzen. Das ist in der Tat etwas schade.

Im April 1984 haben AATT eine BBC Radio 1 Session für John Peel eingespielt. John Peel ist vor einigen Jahren gestorben und letztes Jahr ist Factory Records-Mastermind und JOY DIVISION-„Entdecker“ Tony Wilson gestorben. Hattest du jemals die Gelegenheit, einen der beiden zu treffen?

Nein, keinen von beiden. Klar, John Peel hat nun wirklich jeden beeinflusst, der sich zu seiner prägenden Zeit mit Musik beschäftigt hat. Wie viele andere hingen wir seiner Zeit regelmäßig - fast in einer religiösen Art und Weise - vor dem Radio ab, um seine Radioshows zu hören. Durch ihn haben wir die Bands entdeckt, die für uns am wichtigsten waren. John Peel tat das auch immer in einem sehr würdigen Rahmen. Ich denke, seine musikalische Meinung hatte eine solche Bedeutung, dass er sich wohl selbst ab und an gedacht hat, dass eine Einzelmeinung nicht ein derart großes Gewicht haben sollte - aber natürlich war das nicht seine Schuld. Die Sache war einfach die: Er war so exzeptionell, dass eben kein anderer DJ nur annähernd mit ihm zu vergleichen gewesen wäre.

Abschließend zum Thema Jugendsünden: AATT haben Mitte der achtziger „Lady D’Arbanville“ von Cat Stevens gecovert, heute als Yusuf Islam bekannt. Gibt es andere Songs, die ihr gerne covern würdet? Mein erster Gedanke war „The mercy seat“ von NICK CAVE & THE BAD SEEDS. Ich denke, ihr hättet diesen signifikanten fiebrig-dramatischen Duktus perfekt wiedergeben können, wie ja eben auch bei eurem Song „Shaletown“?

Nun, um ehrlich zu sein, die Coverversion von „Lady D’Arbanville“ bereuen wir heute etwas. Und das ist auch der Grund, weshalb wir mit weiteren Coverversionen etwas vorsichtiger sind. Ich würde es nicht wagen, Hand an "The mercy seat" zu legen. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass das Original unantastbar ist - nehmen wir jetzt mal die Version von Johnny Cash davon aus, eine sicherlich sehr bemerkenswerte Interpretation. Aber ich werte den Umstand, dass du glaubst, wir könnten das auch, als Kompliment.

Markus Kolodziej

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #76 (Februar/März 2008)

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